Maggie war durch seine abgebrochenen Worte in eine seltsame Stimmung gesponnen. Ein leises Verstehen tauchte in ihr auf, für ein Glück, das außer jeder Berechnung steht, das von irgendwo als ein warmer Strahl herkommt und jede sorgfältige Überlegung, alles Kalte, alles Unehrliche vielleicht wegspült. »Eigentümlich muß es sein – eigentümlich –« dachte sie. Und plötzlich durchbrauste eine heiße Zärtlichkeit sie ... für Gertrud ... für Seckersdorf.
Aber sie nahm sich zusammen. Um Gotteswillen, nicht den Kopf verlieren, nicht sentimental werden, sich schließlich regelrecht in diesen blonden Toggenburg verlieben! Welch ein Unsinn! Nein, es blieb dabei, wie sie sich's vorgenommen. Zwei Menschen auf dieser Welt würden glücklich, und sie suchte sich anderswo ihr Teil. Aber interessant wäre es gewesen, diese merkwürdige Erscheinung, diese sogenannte Treue zu ergründen, – ein klein wenig zu erschüttern vielleicht ...
Ob ihr das gelingen würde? Mit einem kleinen Stachel in der Seele wiederholte sie: »Aber das weißblonde Köpfchen, das siehst du nie mehr darunter.« Das war ordentlich aufregend. Ein Schauer überlief sie. Wie, wenn sie's doch versuchte? Und dann großmütig verzichtete und wieder zu Gertruds Gunsten einlenkte, sobald sie sah, daß es zu glücken anfing?
Die Rede war zu Ende. Die beiden merkten es am Zusammenklingen der Gläser.
»Ich werde zu Hause sondieren und Ihre Bestellung ausrichten,« sagte sie, während sie mit ihm anstieß.
»Ich werde es Ihnen nie vergessen,« erwiderte er einfach.
Sie sah ihn aus zusammengekniffenen Augen an.
»Wissen Sie was, – nun wollen wir lustig sein. Wir haben auch noch den langen Kotillon zusammen ... Wie wär's, wenn wir täten ... als ...«
»Als was?« fragte er freundlich, aber mit seinen Gedanken weit ab.
»Nichts ... nichts ... Sehen Sie, man beobachtet uns ... Hier dieses Vielliebchen ... j'y pense.«