Sie biß die Zähne zusammen und trat hastig an das Bett.

Da erwachte Gertrud. Mit großen, noch träumenden Augen sah sie in die Höhe und richtete sich dann mit einem Ruck auf. Ihre Backen waren vom Schlafen heiß, und die schimmernden Haarsträhnen fielen ihr tief ins Gesicht. Sie war in dem Spitzengewirr, das sie umgab, unter der roten Seidendecke, aus der sie sich wickelte, in dem Veilchenduft, den sie ausströmte, so unglaublich reizend, daß Maggie wider Willen sie in die Arme nahm und dachte: »Nein, du sollst ihn doch haben.«

In ihrem Ballstaat auf dem Bettrande sitzend und die Schwester umschlungen haltend, erzählte sie ihr, wie Hans Seckersdorf von ihr gesprochen hatte, und daß er ihr gut wäre, wie damals, als er ihr weißes Köpfchen zum ersten Male unter den Tannen des Waldlacker Gartenhauses sah. Und wenn sie frei wäre ...

Gertruds Gesicht wurde still und ernst.

»Ich wußte es ja!« sagte sie und legte sich fest an Maggie. Dann seufzte sie glücklich. Und das war alles.

»Nun?« fragte Maggie.

»Ich danke dir, liebes Herz ... Du bist gut und lieb gewesen.«

»Das mein' ich nicht,« erwiderte Maggie ungeduldig. »Ich wundere mich, daß du nicht rasend, wahnsinnig vor Freude bist. Wenn du dir das alles überlegst, mußt du dir doch sagen, daß es ein unerhörtes Glück für dich ist, wie die Verhältnisse jetzt liegen ...«

»Weißt du, Maggie, ein unerhörtes Glück wäre es gewesen, wenn wir damals zusammengekommen wären. Jetzt ... ich weiß nicht, Kind ... Ich bin ja gewiß stolz, daß er mich noch lieb hat ... wahrhaftig ...«

»Du hast auch allen Grund dazu,« sagte Maggie heftig. »Bedenke, daß er dich aus der Hand eines anderen nimmt, daß du nicht mehr jung bist und ...«