»Ach, Maggie, wenn er elend und häßlich und alt wäre, hätt' ich ihn doch auch nicht weniger lieb. Das ist's nicht ... Aber ... nein, ich weiß nicht, wie ich das so sagen soll ... glaub' mir, so zum Jubeln ist das alles nicht.«
Maggie brauste auf. »Hör' mal, Gertrud, komme mir jetzt nicht noch etwa mit moralischen Bedenken. Es scheint, daß das ein Vergnügen ist, mit dem du dir die ganze Sache noch etwas pikanter machst, aber ich hasse all solche Halbheiten, solch bewußten oder unbewußten Selbstbetrug. Mir komme nicht damit. Entweder du willst dich von Kurowski scheiden lassen und Seckersdorf heiraten ... oder du findest dich in die alten Laukischker Verhältnisse und gibst Seckersdorf frei.«
Gertrud sah ihre Schwester starr vor Schreck an. Noch nie hatte diese so harte und bittere Worte zu ihr gesprochen.
Was bedeutete das? »Maggie, warum machst du mir da so häßliche Vorwürfe? Du weißt doch, daß ich nicht so unehrlich bin, wie du sagst ... Sieh mal, wär' ich auf das alles nicht eingegangen, hättest du kein Recht, mir solche bösen Sachen zuzumuten ... Wir werden also nie mehr darüber sprechen ... Mögen die Dinge ihren Lauf gehen.«
»Jetzt, wo du weißt, wie Seckersdorf denkt, kannst du das ja auch mit Ruhe abwarten,« stieß Maggie hervor und lief in dem kleinen Zimmer herum.
»Du, daß Hans mir gut ist, wußte ich in dem Augenblick, als wir uns wiedersahen. An später hast du gedacht. Nun bitt' ich dich, tue es nie wieder ... Komm her, Maggie!« Diese kam zögernd. »Du bist ja ganz wild und aufsässig! Komm, sei gut ... was ist nur in dich gefahren? Ich danke dir schön, ich danke dir, daß du so für mich sorgen wolltest, danke dir tausendmal für alles, was du ihm von mir gesagt hast ... Maggie, was ist dir?«
Maggie wußte es selbst nicht.
»Ich glaube Ärger, Enttäuschung, daß du nicht so froh warst, wie ich gedacht hatte,« sagte sie finster. »Vielleicht bin ich auch neidisch, weil ihr so – oder weil ich ... Gertrud, ich bitte dich, sag' mir auf Ehre und Gewissen, ist diese Liebe wirklich keine Einbildung, die man abschütteln kann, wenn sie einem zu viel wird? Ich kenne mich nicht mehr aus. Ich habe Furcht ... Sag' mir, ist es ganz unmöglich, daß du ihn je vergißt? Hast du immer an ihn gedacht? Und wenn dein Mann gut gegen dich gewesen wäre?«
Gertrud sah sie kläglich an. »Frag' nicht so. Ich weiß, ich bin eine pflichtvergessene Frau. Aber, Maggie, vielleicht hab' ich darum alles über mich ergehen lassen, was Kurt mir antat, weil ich immer und immer an ihn gedacht habe, und sogar als die Kinder kamen ... und wenn ...«
Sie warf sich in die Kissen und bedeckte das Gesicht mit den Händen.