Als sie sich so zu ihm neigte, schön wie der Tag, mit einem fremden, entschlossenen Zug im Gesicht, packte ihn plötzlich eine rasende Eifersucht. Er faßte sie an den Schultern.
»Was ist vorgefallen zwischen dir und jenem Hund? Gesteh! Du hast dich mit ihm getroffen, ich bin betrogen!«
Fast an der gleichen Stelle, vor ihrer Flucht, hatte Gertrud denselben Vorwurf wie einen Faustschlag empfunden und geschwiegen. Heute, wo sie sich nicht so rein fühlte wie damals, verteidigte sie sich. Sie gab ihr Wort, daß sie Seckersdorf nie gesehen hätte.
Und Kurowski glaubte ihr. Er empfand wohl auch, daß er an diese Dinge besser nicht mehr rührte, und nahm von einem Gratulationsbesuche Abstand.
»Unter der Bedingung, daß wir sofort, meinetwegen nach Berlin, abreisen und in sechs Wochen zu ihrer Hochzeit zurückkommen,« sagte er.
Gertrud atmete erleichtert auf. Wenn sie ihnen nur jetzt nicht heuchlerisch die Hand drücken mußte!
»Zur Hochzeit gehen wir also bestimmt hin,« wiederholte ihr Mann finster, »damit den Leuten endlich mal der Mund gestopft wird. Du weißt, ich lasse nicht mit mir spaßen. Und der Seckersdorf soll sich nichts mehr einzubilden haben, wie damals – verstanden?«
Gertrud schauderte zusammen. »Verlaß dich drauf,« sagte sie tonlos und lief hastig aus dem Zimmer.
Sie wußte nicht, was am bittersten weh tat, Groll, Verachtung, Gedemütigtsein, oder das zum Äußersten gesteigerte Bewußtsein des Verlustes.
»Lieber Gott,« betete sie wimmernd, »gib mir einen großen Stolz, einen unbändigen Stolz, oder laß mich sterben.«