Maggie war nun zufrieden. Die alltäglichen kleinen Aufregungen der Brautzeit, die teils gutgemeinten, teils neidischen Glückwunschbesuche der Nachbarn und Freunde, die Beratungen über die nächsterforderlichen Einrichtungen, das alles nahm ihre Zeit und ihre Gedanken so sehr in Anspruch, daß sie sich nicht mehr weiter in Grübeleien vertiefte.

Sie hatte auch schon genug damit zu tun, sie ihrem Bräutigam fernzuhalten, und oft, wenn er neben ihr saß, ihre Hand schlaff in der seinen haltend und ihr ruhig und freundlich in die Augen sehend, empfand sie einen Stich in dem Gedanken: wäre er ebenso gelassen zärtlich, wenn sie hier neben ihm säße? Und in der Erinnerung sah sie seine Blicke fest und heiß werden, so oft sie damals, als sie noch Gertruds Verbündete war, von ihr gesprochen hatte.

Das tat sie übrigens jetzt auch. Kurowskis waren ja gerade im Begriff gewesen, eine verspätete Hochzeitsreise zu machen – wie Maggie deren Fahrt nach Berlin zu nennen pflegte –, als ihre Verlobungsnachricht in Laukischken eingetroffen war, und so hatten sie sich nicht mehr gesehen. Aber Gertrud schrieb zuweilen von Berlin aus an Fräulein Perl, und da war viel von Hofbällen, von Auszeichnungen der Majestäten, viel von »Kurt« die Rede, und den Schluß machten immer »freundliche Grüße« für den Vater und das Brautpaar.

Darüber gab es dann natürlich zu reden, und Maggie war auch überzeugt, daß es zweckmäßig wäre, den Namen der Schwester unbefangen und oft zu nennen. Seckersdorf gewöhnte sich daran und zeigte keine so merkbare Bewegung mehr, wie im Anfang.

Ob er ihr, seiner Braut, nun aber wirklich gut geworden war? Natürlich! Er war sogar verliebt, er behandelte sie als gleichberechtigten Kameraden, aber ... es war doch gut, daß sie im Grunde auch nicht alles gab, was sie hier und da einmal heiß in sich aufbrausen fühlte ... Nicht für ihn, für niemand, den sie kannte; sie suchte in Gedanken, aber es war wirklich niemand da. Und so küßte sie wieder, wie Hans Seckersdorf sie küßte, und dachte oft dabei an die große Flamme, die einmal in ihm gebrannt hatte, und ob die für immer ausgelöscht sei ...

Mit Gertrud und ihrem Schicksal beschäftigte sie sich nicht viel. Sie wollte deren glänzende äußere Erlebnisse, von denen sie hörte, als Tatsachen nehmen und nicht über der Schwester Seelenzustand grübeln. Sie machte es diesmal ebenso wie ihr Vater, und der war ja sein Lebtag bei dieser Art, die Dinge anzuschauen, gut fortgekommen.

Vor einem Zusammentreffen an ihrer Hochzeit, das Kurowskis angekündigt hatten, war ihr nicht sehr bange, weil sie eigentlich nicht daran glaubte. Auch Hans hatte sie einmal nach langem Zögern gefragt, ob die Laukischker wohl im Ernst daran dächten.

»Selbstverständlich,« hatte sie zwar gesagt, aber sie war innerlich doch davon überzeugt, daß Gertrud es nicht über sich gewinnen würde, zu Seckersdorfs Hochzeit zu kommen.

Darüber rückte der Februar und der Hochzeitstag heran. Reise- und Übersiedlungspläne brachten immer mehr Unruhe in das tägliche Leben. Die Ausstattung war besorgt, Erwägungen über die Art der Festlichkeiten kamen an die Reihe. Maggie nahm das nicht leicht.

Sie überlegte, wie sich alles für sie am vorteilhaftesten machte, und ordnete danach an. In jeder Weise war sie darauf bedacht, ihre äußere Erscheinung zu glänzender Geltung zu bringen, und ihre Hochzeitstoilette bereitete ihr ein paar schlaflose Nächte.