Zuweilen überkam sie ein Ekel vor all diesen Oberflächlichkeiten, die jetzt ihr Leben ausfüllten; aber sie überwand ihn und redete sich schließlich immer wieder das »große Ziel« ein, das sie in kurzer Zeit nun erreicht haben würde.

Wenn Gertrud doch nicht käme! Vor einer blassen, vergrämten Gertrud hätte sie sich ihr Leben lang fürchten müssen. In ihrer Phantasie natürlich, denn Hans, sobald sie seine Frau wäre, würde an keine andere mehr denken, dessen war sie sicher.

Aber Gertrud kam.

Einen Tag vor dem Polterabend traf, mit einem kostbaren Schmuck von Kurowskis, ihre Zusage für den nächsten Tag ein.

Seckersdorf nahm die Nachricht anscheinend gleichgültig auf; Maggie, aufgeregt und in Anspruch genommen, legte im Augenblick nun auch nicht so viel Gewicht darauf, wie die ganze Zeit vorher, und der Oberförster war von Herzen froh, denn mit diesem Kommen waren die fatalen Ereignisse des letzten Winters und jede Spannung zwischen Kurowskis und ihm fortgewischt.

Und nun war der Tag da. Das ganze Haus hatte ein anderes Aussehen. Alles war geräumt, um Platz für die Gäste zu schaffen, die in großer Menge erwartet wurden, und sämtliche Zimmer und Durchgänge mit Tannenbäumen, -zweigen und Girlanden geschmückt. Gertrud hatte es sich bei ihrer Hochzeit schon so gewünscht, um zum letztenmal ihren Wald um sich zu haben. Maggie war nicht so sentimental; sie hatte denselben Schmuck gewählt, weil er am leichtesten herstellbar, wirkungsvoll und leicht zu beschaffen war. Sie kommandierte auch heute noch herum, traf Änderungen, beschäftigte die Leute, und nahm Fräulein Perl alles aus der Hand. Sie fühlte sich recht als Siegerin.

Als aber am Nachmittag das Laukischker Fuhrwerk ankam, stand ihr das Herz doch still. Sehr blaß trat sie den Aussteigenden entgegen und wagte im ersten Augenblick nicht, der Schwester ins Gesicht zu sehen. Der Schwager begrüßte sie laut, während Gertrud in kühlem Herabneigen das Gesicht leicht an sie legte, ohne sie zu küssen.

Das hieß: »Ich habe nicht vergessen.«

Trotzig sah sie nun auf – und fuhr fast zurück. Gertrud leuchtete ihr in einer Schönheit entgegen, die sie noch nie an einer Frau wahrgenommen hatte.

Auch der Vater und Fräulein Perl machten ihre staunenden Bemerkungen darüber.