Also die Begegnung mit dem Kommerzienrat Hillman ist mir geradezu ein Erlebnis geworden.

Meine Gedanken schwirren auf allen möglichen Lebensfeldern umher und praktische, bange, kokette, glückverlangende Erwägungen überstürzen sich in mir. Seit einer Stunde laufe ich in dem kleinen hellen Salon, den ich mir habe geben lassen, hin und her, unstet und ruhelos.

Nur wenn ich an dem blumenumrankten Eckspiegel haltmache, schießt ein Gefühl von – ich kann nicht anders sagen – stolzem Entzücken in mir auf. Ich habe eine hohe Freude an meiner Schönheit. Sie ist, mit allem anderen, ein Erbteil meines Vaters. – Und gerade jetzt, wo die Hoffnung neues Leben in mein Gesicht gezaubert hat, dessen Züge ich so genau und so sachlich studiert habe, – muß ich selbst staunen, welche Kraft und welchen Glanz meine blauen Augen bekommen haben.

Ich gleiche genau dem vielbewunderten letzten Bilde meines armen Papa, dem das Schicksal die letzte Grausamkeit, den Verfall durch die gräßliche Krankheit ersparte, indem es ihm einen plötzlichen Tod bescherte.

Merkwürdig übrigens, daß Todesnähe und intensives Lebensbewußtsein so gleiche Ausdrucksmittel haben können....

Vielleicht, weil beide die Blicke für noch Ungeschautes weiten?

Ach, ich fühle ja bei jedem Schritt, den ich im Verkehr mit der lebendigen Welt mich vorwärts taste, daß Neues, Wunderbares auf mich wartet, und ich muß für mich immer wieder auf das Bild zurückkommen, daß ich an einer geöffneten Tür stehe, hinter der viele Wege in das schöne, große, unbekannte Leben führen.

Welchen werde ich wählen unter den sonnen- und mondglänzenden, den dämmerigen und den dunkeln? ...

Ob der Freund meines Vaters, der mich vorhin verlassen hat, dieser weltkundige alte Mann mit den jungen, zärtlichen Augen irgendwo als Wegweiser dastehen wird?