In dem kleinen Wintergarten, der sich an das grüne Wohnzimmer schloß, unter weißen Rosen und weißem Treibhausflieder ruhte nun die Herrin dieser Räume noch eine kleine Stunde, ehe sie unter die verschneite Erde gebettet wurde.
In einer Stunde nämlich versammelte sich der Bekanntenkreis, und dann kam auch der Geistliche, die Verstorbene für die letzte Fahrt einzusegnen, die sie nach der thüringischen Heimatstadt antreten sollte, um neben ihrem Kinde zu schlafen, wie sie es wohl gewünscht haben würde, wenn ihr in ihrem geräuschvollen Leben der Gedanke an ewige Ruhe je gekommen wäre.
Herr Doktor Lohrer ging durch alle Räume, um mit dem Blick des Herrn festzustellen, ob alles der Sachlage und seinen Anordnungen gemäß auf der Höhe wäre.
Zuletzt kam er in den Wintergarten und warf einen prüfenden Blick auf die Tote, deren leise Stimme noch in diesem Raum zu klingen schien.
Er hatte sich mit dem Ungeheuerlichen, das über ihn hergefallen war, als Mann von Selbstbeherrschung äußerlich abzufinden gesucht. Aber seine Gestalt sah sehr zusammengefallen und das Fuchsgesicht spitz und gelb aus.
Er schloß einen Augenblick die Augen, deren Lider rot und geschwollen waren. Als er sie wieder öffnete, fiel ihm die rötliche Orchidee in den starren Händen der Ruhenden auf, und er überlegte, ob dieser einzige Farbfleck die Harmonie des weißgrünen Bildes herabsetzte oder erhöhte. Er bemerkte auch, daß irgend etwas um das holde, friedvolle Gesicht nicht stimmte, es leer scheinen ließ ... Natürlich! Wie hatte er es übersehen können! Die weiße Locke, die viel bewunderte, fiel ja nicht in die Stirn wie im Leben. Der Friseur hatte sie ungeschickterweise versteckt. Er fuhr mit spitzen Fingern in das Haar und zog sie vor.
Aber sie hatte das Flockige verloren und lag rauh und ohne Glanz da.
Welch ein Glück, daß er im letzten Augenblick das noch ändern konnte!
Er rief nach der treuen Lina, die in angemessener Trauerhaltung nach kurzem Schaudern mit der Brennschere die gewohnte Ordnung herstellte.
Den scheuen Blick, mit dem sie aus zitternden Lidern ihren Herrn streifte, bemerkte er nicht.