»Mir war ganz verstört und seltsam zumute, und ich wachte aus meiner Versunkenheit erst auf, als du weit weg von mir warst. Jeder lachte und sprach nun doppelt so viel mit den andern, und unsere Blicke, die sich zuweilen streiften, sagten sich: Siehst du, wie wohl ich's mir hier sein lasse ohne dich.«

»Du trugst eine weiße Rose an deinem blauen Sommerkleid und spieltest damit. Sie fiel zur Erde.«

»Du sprangst hinzu und hobst sie auf, und unsere Hände kamen zusammen ... Und da war's wieder wie vor Jahren ... Aber jetzt wußte ich, was es bedeutete ... Ein sekundenlanger heißer Traum voller Sehnsucht, voller Wonne, voller Glut und Erfüllung ... Du warst ganz blaß, und deine Augen brannten ... Keiner merkte etwas – die jungen schwatzten und liefen durcheinander, und die alten saßen auf den langen Holzbänken und waren mit sich beschäftigt.«

»Und wir standen mitten darunter und doch auf einer außerweltlichen Insel, an der berghohe Wellen heißesten Sehnens brandeten. Unter all dem zahmen Hausgetier zwei wilde Vögel, denen die Natur ein brausendes Lied von der höchsten Lebensvollendung in die Herzen schrie ...«

»Still – still – ich hab's nie wieder gehört.«

»Dann liefen wir auseinander und machten die kindlichen Scherze und Spiele der anderen mit und sorgten dafür, daß wir uns nicht trafen.«

»Bis der Abend kam und ein glücklicher Zufall uns für den Heimweg zusammenführte. Erst sagtest du viel Böses und Höhnisches über den Zwang der öden Stunden – dann –«

»Deine Hand in meiner, jede mit Zucken sich wehrend, so gingen wir über das Waldmoos, den anderen weit voran ... der Mond stand groß und rötlich hinter der alten heiligen Eiche ... ein feuchtschwerer Nachtwind raschelte durch ihre Blätter ... die alten Heidengötter sprachen.«

»Du sprachst ... du ... deine Worte brannten. Ein Glück so voller Glut, daß seine Seligkeit in den göttlichsten Schmerzen ersterben muß. Vernichtung des Menschen und Aufwachen des Gottes. Wo hast du die Töne hergenommen, woher quollen diese Worte, die mich mit Entsetzen und Wonne durchschüttelten?«

»Ich glaubte, du wärest eine Feuerseele, aber du warst nur ein zahmes Hausfrauenseelchen. Du ersticktest den kleinen Widerhall, den meine Glut in dir löste, du warfst dich nicht dem verschuldeten Referendar in die Arme und sagtest: Sturm, nimm uns und trag uns fort, gleichviel wohin ... Du starrtest zitternd in die raschelnden Bäume am Wege und horchtest schon halb auf die näherkommenden Schritte des biedermeiernden Justizrats und des langen Erwin ... die Schritte deines Schicksals ...«