Und dabei glitt über sein junges, scharfes Gesicht ein so seltsam träumerischer, weicher, liebevoller Ausdruck, daß ich mich plötzlich bis ins Tiefste erschüttert fühlte. Und wußte doch nicht, warum. Aber ich konnte ihn nicht mehr ansehen, ich mußte auf den Fußboden starren, weil ich fürchtete, ich würde anfangen zu weinen....
»Ich hatte mir, offen gestanden, das alles anders gedacht,« sagte er dann etwas freier. »Als ich in Gastein von Ihnen sprechen hörte, habe ich mir ein hilfloses, kränkliches, junges Mädchen vorgestellt, und nun finde ich eine schöne, sichere und heitere Weltdame. Nein, heiter sind Sie doch nicht.«
»Welch ein seltsames Gespräch! Mir ist noch niemals etwas Ähnliches begegnet. Gestern mit Ihrem Vater, und ...«
»Damit habe ich nicht das mindeste zu tun, wie ich schon bemerkte,« entgegnete er eifrig.
»Nun, die Angelegenheit ist auch ein für allemal erledigt,« sagte ich, eigentlich um festen Boden zu gewinnen. »Ihr Vater hat seine Antwort und meine Bank ihren Auftrag.«
»Sehen Sie,« sagte er, mit einem Ruck sich aufrichtend, »das gerade ist nun auch etwas, das mich in Ihrem Interesse beunruhigt und über das ich mit Ihnen sprechen will, weil ich es mir ungefähr so vorstellte.«
»Ich verstehe kein Wort. Sie meinen vielleicht, daß ich das Geld doch verlieren könnte.«
»Dieses Geld nicht. Dafür bürgt mein Vater. Aber wie durften Sie so schnell entscheiden? Wie kann man Sie in solchen Dingen ganz sich selbst überlassen?«
»Man hat mich wohl immer mir selbst überlassen,« fuhr es mir heraus. »Eigentlich aber müßte ich Ihnen antworten: Ich bin mündig, und mein Entschluß hat seine Gründe.«
Er sah mich wieder zweifelnd und traurig an.