Eine einsame Nachzüglerin kam mit hastigen Schritten vom nahen Bahnhof und trat in die Vorhalle zum Eßsaal. Mit schriller, kleiner Stimme rief sie der Saaltochter französisch zu, daß sie Fräulein Sargent, deren Gesellschafterin sie sei, zu sprechen wünsche. Geschwätzig erzählte sie dem sie hinaufgeleitenden Mädchen, daß Madame, die Mutter des Fräuleins, sie hergeschickt und daß sie, Edina Petitpierre, Fräulein Sargent sozusagen großgezogen hätte.

Das Zimmermädchen klopfte. Edina Petitpierre trat ein.

In dem Korbsessel am Fenster vor dem Schreibtisch lehnte Lydia Sargent.

Eine große Bogenlampe leuchtete von der Straße her mit milchweißem Schein in ihr Gesicht.

Mit ausgebreiteten Armen lief die alte Französin auf das Fenster zu.

»Chérie, est-ce que tu dors?«

Aber Lydia Sargent schlief nicht.

Sie atmete nicht mehr.

Ein dünner Blutfaden sickerte aus dem linken Mundwinkel.

Aus dem weißen Gesicht mit den weitgeöffneten, blicklosen Augen lag ein Ausdruck verklärten Staunens, als ob sie unsagbar Feierliches und Schönes hörte und sähe.