»Sie, Sie sind das kleine Justinchen ... Sie? ... Und Käthe? ... Und der Vater? ... Und wo ist meine Apotheke geblieben?«
Er war sehr schwach, der Arme – sonst hätte er sich nicht so schwer in den weißen Korbstuhl sinken lassen und so atemlos und bang um sich gesehen. – Und er hätte wohl auch bemerkt, daß das Mädchen geisterhaft blaß vor ihm zurückwich und ebenso bang suchend nach ihm starrte, wie er nach den verschwundenen Bildern seiner Jugend.
Sie faßte sich dann wohl zuerst.
»Sind Sie etwa ...?«
»Enrique Bisterro ...« Er stand mit der zur Gewohnheit gewordenen Grandezza auf und verbeugte sich tief.
Sie hielt die Hände vor's Gesicht und murmelte etwas wie »nein, nein, nein.« Aber dann nahm sie sich zusammen, ergriff seine Hände und zog ihn zu der großen Fensternische, in der viel hohe Bambusbüsche standen.
Und da sahen die beiden sich prüfend an und fragten und antworteten allerlei ohne Worte.
»Also Sie sind das kleine Justinchen, das der Käthe wie ein Schatten hinterher war?« sagte er dann.
»Lang, lang ist's her,« sagte sie. »Und die Käthe ist schon zehn Jahre tot.«
Lieber Gott! ... Es bewegte ihn nicht sonderlich. Ihm war seine Jugendliebe längst aus der Welt der Wirklichkeit verschwunden, und wo er sie zuweilen suchte, da lebte sie so lange wie er. Aber dieses Mädchen, noch jung, doch schon am Rande des Welkens, was war das mit der? Warum sah sie ihn so an, so voller Staunen, so voller Bewunderung – und was zwang ihn, sich zu seiner vollen Höhe aufzurecken, sich recht, recht spanisch zurechtzurichten und ihr mit ein paar Koseworten in der Sprache der neuen Heimat über die dunklen Scheitel zu streichen?