»Hätte sie mir meinen kleinen Kameraden beinah totgeschossen,« sagte der noch ganz blasse Doktor, der sich den Terrier selbst aufgezogen hatte und ihn wie ein menschliches Wesen liebte.

»Wissen Sie, meine Herren, das ist unerhört,« rief der Hauptmann entrüstet. »So was tut man doch nicht. Man knallt doch keinen edlen Hund einfach nieder, wenn man sieht, daß er nicht herrenlos ist.... So 'n verfluchter Kerl ... das soll ihm angestrichen werden ... dem wollen wir's besorgen.«

Der Leutnant deutete stumm auf einen Ebereschenweg links.

»Die hohe Herrin selber!«

Zwischen den noch kleinen Bäumen, die unter der Last von glühend roten Beeren leuchteten, stand eine hochgewachsene, sehr schlanke Frau, die sich eben langsam umwandte und in entgegengesetzter Richtung weiterging.

Man sah über der graugrünen Lodenjoppe unter einem kleinen Jägerhut eine festgerollte Fülle brandroten Haares, Lenox und Jagdtasche hingen zur Seite, und der kurze Rock ließ ein paar Stiefel frei, die nichts mit koketter Damensportbeschuhung gemein hatten. Beim Schreiten aber machte sich eine böse Störung in der sonst untadligen Harmonie dieser Erscheinung bemerkbar: Der rechte Fuß schleppte erheblich, und bei der energischen Bewegung des ganzen federnden Körpers fiel das um so mehr auf.

»Da haben wir also den berufenen Teufel wie auf Stichwort,« bemerkte der Leutnant.

»Und hinken tut er wirklich auch noch, wie alle Teufel« ...

Der Doktor fing jetzt erst an, sich von dem ausgestandenen Schreck zu erholen und seiner Entrüstung freien Lauf zu lassen.

»Bei diesem Frauenzimmer muß man Gastfreundschaft genießen ... den Ruhetag noch dazu!? ... das ist hart ... wenn Herr Hauptmann mich noch beurlauben könnten ...«