»Stopp, stopp!« rief der Hauptmann. »Ich habe mir sagen lassen, daß für jeden passionierten Jäger die Versuchung nahe liegt, ein wilderndes Tier abzuschießen, und Fräulein von Terkuhn soll ja eine sehr temperamentvolle Dame sein, wie unser Leutnant mir eben erzählt.«
»Fräulein von Terkuhn? Nicht Frau?«
»Na, Wachowski, schießen Sie mal los ... und erzählen Sie, warum Sie so erpicht auf dieses Quartier waren, und woher Sie so orientiert sind.«
»Wenn Herr Hauptmann gestatten,« sagte der Sommerleutnant etwas verlegen, und sein auffallend hübsches, offnes Jünglingsgesicht nahm an der Verlegenheit der Stimme Teil. »Eine kleine entfernte Cousine von mir ist Gesellschaftsdame bei dem Fräulein von Terkuhn. Wir sind sozusagen zusammen aufgewachsen, haben uns ein Jahr lang nicht gesehen ...«
»So, so – also sehr begreiflich. Und die junge Dame hat Sie auch über die Verhältnisse unterrichtet?«
»Zu Befehl, Herr Hauptmann! Ich habe das Gefühl, die Terkittener Herrschaften und den ganzen alten Kasten genau zu kennen. Ich wundere mich auch gar nicht, daß Fräulein Adalisa von Terkuhn dem Doktor seinen Fips so ohne weiteres niederknallen wollte. Wie sollte Eine tierfreundlich sein, die so menschenfeindlich ist!«
»Na unter den Verhältnissen mußte sie das vielleicht werden ... denken Sie, Doktor, der Leutnant erzählt, als vierjähriges Kind hat ihr Vater sie im Suff einem Kumpan als Fangball zugeworfen ... dabei ist ihr die Hüfte ausgerenkt, oder so was ... Dann eine gräßliche liederliche Fräuleinwirtschaft, – die Mutter tot ...«
»Und dann ist sie nach Gnadenfrei gebracht worden,« erzählte der Leutnant weiter, »aber da ist sie ausgerissen – und das hat dem Alten imponiert. Er hat sie im Hause behalten und ganz als Junge aufgezogen. Sie hat ihm mit der Zeit all seine boshaften Triks abgelernt, ihn aber bald noch überholt. Was ich darüber so von meiner Cousine höre – ich kann Ihnen sagen, meine Herren, es ist kaum zu glauben, daß in unseren Tagen so was an mittelalterlichen Verhältnissen existiert.«
»Und Ihr Fräulein Cousine ist doch schon längere Zeit dort?«
Wachowski lächelte: »Die, ja die ist ein so sanftes, liebes und tüchtiges Mädel, daß da selbst der Teufel Halt macht. Und dann sagt sie auch ganz richtig: All das ganze Wesen geht mich ja eigentlich nichts an, ich werde meine Brotherrin ja doch nicht erziehen. Ich tue meine Arbeit, eher noch etwas darüber, und damit fertig.«