»Sagen Sie mal, der alte Herr lebt doch noch?«
»Jawohl ... aber wie. Rechts gelähmt, – sitzt wie ein böser alter Uhu im Krankenstuhl ... und hat schlimme Tage. Wissen Sie, die liebenswürdige Tochter, die nun natürlich ganz das Regiment führt, hat einmal ganz offen gesagt, als Lena – meine Cousine – einige Anordnungen zu seinen Gunsten machen wollte: »Nein, lassen Sie, – er hat mir meine Jugend verdorben, ich will ihm dafür sein Alter verderben.«
»Na erlauben Sie mal, das ist ja einfach unglaublich ... So was äußert sie zu ihrer Gesellschaftsdame?«
»Ja, sie soll alles offen sagen und tun. Sie sagt solche Dinge auch zum Diener oder zum Briefträger. Sie ist so hochmütig, daß es ihr auf niemandes Meinung ankommt.«
»Natürlich hat dieser Engel Geld,« meinte der Hauptmann.
»Viel,« sagte Wachowski. »Und die Dukaten wachsen ihr nur noch so zu, da sie geschäftsschlauer sein soll als zehn Juden, und – alles was wahr ist – auch sehr tüchtig und tätig ... Und nun läuft alles, was an Männlichem hier in der Gegend in Betracht kommt, hinter ihr her, trotzdem jedermann weiß, wess' Geistes Kind sie ist ...«
»Ja, Geld und ein schönes Gut sind und bleiben einmal Magneten,« sagte der Hauptmann, »und weiß Gott, vielleicht denkt auch dieser oder jener, daß ein Petrucchio in ihm steckt.«
»Wie meinen Herr Hauptmann?« fragte Wachowski unbefangen.
»Na, den Kerl aus der Widerspenstigen mein' ich.«
»Shakespeare,« sagte der Doktor lächelnd.