Eine zierlich gewachsene junge Dame mit klarem, brünettem Jungmädchengesicht trat ihnen entgegen, – die Cousine. »Hauptmann Riesberg«, stellte dieser sich vor, und dann den Doktor, da der Leutnant sich zurückhielt und nun erst sich einen herzlichen Blick und Händedruck holte. Die erwartungsvolle Stimmung der letzten halben Stunde verschwand angesichts der anmutigen Unbefangenheit, mit der das junge Mädchen die verbindlichen Worte erwiderte, mit denen die Gäste die verwandtschaftlichen Beziehungen noch einmal feststellten.

»Ich habe als Schaffnerin des Hauses den Auftrag, für die Behaglichkeit der Herren zu sorgen,« sagte sie dann. »Das Frühstück ist auf den Zimmern bereit, der Diener wird führen. Und wenn die Herren in bezug auf die Zeit des Mittagessens einen Wunsch haben ...«

Sie fügten sich gern den Gewohnheiten des Hauses und waren mit der üblichen Tischzeit um 2 Uhr sehr einverstanden. – Wann sie den Herrschaften ihre Aufwartung machen dürften?

»Das gnädige Fräulein bittet vor Tisch im Salon.«

Während der Hauptmann sich bei den Burschen nach der Unterkunft von Leuten und Pferden erkundigte, die er vor dem Frühstück noch gesehen haben wollte, verweilten die beiden anderen mit Fräulein Lena Aussig in der Halle.

Wachowski und sie reichten sich wieder die Hände und jetzt mit mühsam unterdrücktem Jubel ...

»Entschuldigen Sie,« bat sie den Doktor mit feuchten Augen, »aber ich habe mich so sehr auf meinen Vetter gefreut ... Dir, Hans, will ich nur noch schnell sagen, daß ich dich nach Tisch eine Stunde für mich haben darf, wenn der Dienst es dir erlaubt. Jetzt muß ich mich verabschieden. Die Wirtschaft ruft.« ...

»Ein liebes Menschenkind,« sagte der Doktor. Wachowski sah ihr mit weit offenen, glücklichen Augen nach. Dann folgten beide dem Diener über eine breite, ausgetretene Treppe in ihre altväterisch behaglichen, asterngeschmückten Zimmer.


Adalisa von Terkuhn erwartete die Einquartierungsgäste in dem großen Gartensaal, der Sommer und Winter ihr Lieblingsaufenthalt war. Noch blieb eine Stunde Zeit bis zum Mittagessen, und sie hatte sich die Tageszeitungen mitgenommen, die ihre einzige Lektüre bildeten. Aber sie las nicht, sie ging in einer kleinen, ihr sonst nicht gewohnten Unruhe hin und her.