»Sie scheinen ein anständiger Junge zu sein« – knurrte der alte Terkuhn, Wachowskis Hand pressend und ihn einen Augenblick zurückhaltend. »Wie wär's, wenn Sie ausrissen? – Ne – ne – ich meine man so – ich bin grundsätzlich gegen die Ehe – gegen die Ehe.«

Die Tür schloß sich, und Hans Wachowski sah wirr und mit innerlichem Zittern den nächsten Augenblicken entgegen. Wie ein Zuschauer und mit gebundenen Händen stand er jetzt in demselben Gartensaal, in dem vor wenigen Stunden dieses rothaarige Schicksal in sein friedliches Leben gebrochen war – und wußte nicht aus noch ein.

»Du mußt dich nicht fürchten, mein Freund,« sagte Adalisa von Terkuhn, »weil das alles so schnell kommt. Ich kann keine schönen Worte finden, aber ich möchte es dir gern erklären. Ich sehe doch, es ist immer nur der eine Augenblick der Entscheidung, der wichtig ist. Alles vorher – die Vorbereitungen – sieh mal, das hält doch alles auf, und ist eigentlich überflüssig, nicht? Komm, wir wollen uns hier zu meinen toten Vorfahren setzen, das sind die wahren Verwandten, bald auch die deinen, da wollen wir ordentlich besprechen, wie wir alles einrichten müssen.«

Und sie erzählte, – und der übermäßige Eifer, mit dem sie sprach, belebte wie ein feuriger Strom die stockenden und ungewandten Worte, – daß nach dem unheilbaren Erkranken ihres Vaters, als sie notgedrungen die Generalvollmacht für die Verwaltung hatte bekommen müssen, der Rechtsanwalt des Hauses das vielbesprochene Immediatgesuch an den Kaiser aufgesetzt hatte, nach dem der Mann, den sie heiratete, den Namen Terkuhn führen und das stolze Geschlecht vertreten sollte. Es war zustimmend beantwortet worden. Sie sprach dann von geschäftlichen Dingen, von der Lebensarbeit, die in ihrer Hand nun vor ihm lag, von dem erhöhten Ansehen, das sie Beide dem alten Namen schaffen würden, von dem Glück, diesem und diesem, – sie deutete auf die rothaarigen Zuschauer an der Wand – zu beweisen, daß die Gegenwart doch auch wieder etwas wert sei, nachdem manch ein Terkuhn um die Ecke gegangen wäre.

Sie sprach und sprach, und ihre leise, harte Stimme rüttelte an dem jungen Zuhörer, der in bebender Haltlosigkeit dasaß.

»Nun sprich du, sag mir etwas Gutes, sag, wie du dich freust,« schloß endlich das Fräulein von Terkuhn, und sah ihn mit einem ermunternden Blicke an.

Er wollte auch etwas Kluges und Warmes sagen, aber es fiel ihm nichts ein. So sah er bange vor sich hin und versuchte dann nach ihrer Hand zu fassen.

Sie gab sie ihm mit kräftigem Druck. »Also gute Gemeinschaft, Hans von Wachowski.«

Da stammelte er endlich: »Ach von dem allen versteh ich nichts.« Und dann brachen die angesammelten Worte sich Bahn, und er fuhr hastig fort: »Es ist mir über den Kopf gekommen, ich weiß nicht, wie. Ich habe nicht einmal geahnt, daß ich mich getrauen könnte, eine Frau wie Sie nur leise zu berühren, und nun ...«

»Du mußt »du« sagen.« –