Wie blaß und ernst sie in dem dämmerigen Herbstabendlicht dastand! Kein Wort auf den weißen Lippen, die Augen gesenkt – denn wie sollten sie das Bild ertragen, das sich ihnen bot!

In einem der großen Fensterbogen standen die beiden eng aneinander geschmiegten Gestalten. Das Fräulein von Terkuhn hatte den Kopf an die Schulter von Hans Wachowski gelehnt.

Blutrote Weinranken schwankten hinter ihnen, und der rötliche Dunst der vergehenden Herbstsonne war um sie wie ein Schimmer, der aus ihnen selbst herausstrahlte. Zwei Glückliche, von roter Lebensglut umflossen. Das wollte die arme Lena länger nicht sehen, und darum ging sie zur Tür zurück.

»Fräulein Lena, Sie sollen uns gratulieren. Ihr Vetter, Hans Wachowski, und ich haben uns eben verlobt,« sagte das Fräulein von Terkuhn und trat mit dem Mann an der Hand aus dem roten Licht.

Nun fand Lena Aussig ihre Haltung wieder. »Ach nein,« sagte sie. »Den Glückwunsch wird mir Hans wohl ersparen. Er kann ihn auch nicht erwartet haben. Guten Abend, gnädiges Fräulein ...«

Da riß Hans Wachowski sich von den Fingern los, die ihn umklammert hielten und trat dicht zu dem jungen Mädchen hin. Ihm war in diesem Augenblick, als müßte sie ihm zusprechen, ihn trösten, als wäre er ganz allein mit ihr, und könnte ihr klagen und mit ihr beraten.

»Lena, Lena,« sagte er. »Ich hätte dich vorher sprechen müssen, vergib. Ich bin ja selbst ganz wirr, sie hat mir alles über den Kopf weggenommen.«

Das Fräulein von Terkuhn richtete sich kampfbereit auf. Ihre Augen begannen zu funkeln.

»Schweig,« rief sie heiser.

Aber in seiner großen Erregung sah und hörte Hans von Wachowski sie nicht.