»Lena, Lena,« sagte er mit einer Zärtlichkeit in der Stimme, von der Fräulein von Terkuhn trotz des heißen Küssens nichts vernommen hatte, »sieh mich nicht so an; es wird alles wieder gut.«

Nun geriet auch Lena außer sich.

»Was soll gut werden, nachdem du dich von dem Fräulein da hast fangen lassen, wie?«

»Sie Unverschämte,« zischte das Fräulein von Terkuhn und sprang, von den fliegenden Haaren umflattert, auf das hochaufgerichtete Mädchen zu. In diesem Augenblick trafen sich ihre gelben, funkelnden Augen mit denen des Junkers an der Wand, der seine kurbrandenburgische Fahne in steifer Hand vorstreckte und starr und feierlich wie immer zusah, was die Terkuhns von heute taten und trieben. Aus dem dunkeln Zugehörigkeitsgefühl zu diesem toten Bundesgenossen schäumte eine rasende, besinnungslose Wut in Adalisa von Terkuhn auf. – Beutegier, Berechnung, Sinnesrausch – alles ertrank darin. Wie mit tausend Händen aller vergangenen Terkuhns regte es sich in ihr, um die Plebejer da niederzureißen und zu vernichten. Rote Ströme rauschten, wie aus Blut und Glut gemischt, und das Weib, das daraus auftauchte, Spitzenfetzen in den ausgespreizten Armen, die Raubtieraugen in übermenschlichem Glanz sprühend, fremde, unverständliche Töne schreiend, war in seiner furchtbaren Schönheit etwas so entsetzliches, daß die beiden vor ihr in Grauen und Furcht erstarrten.

Mechanisch trat Hans Wachowski vor seine Cousine, um sie vor dem zu schützen, was kommen konnte, aber das Fräulein von Terkuhn rührte sich nicht, nur ein fauchendes Hohnlachen löste den furchtbaren Krampf in ihr und zwischen zusammenschlagenden Zähnen stieß sie ein »Hinaus« hervor.

»Geh,« sagte auch Hans Wachowski und schob die zitternde Lena durch die Tür nach dem Korridor.

Er hatte sich auf sich selbst besonnen. Die fremde schöne Bestie, die da noch zuckend und keuchend an ihrem Platz stand, hatte keine Gewalt mehr über ihn. Zwar, der innerste kleine, feige Mensch in ihm zitterte, aber er mußte tapfer sein und dann kam die Manneszucht ihm zu Hilfe. Er durfte sich von diesem Weib nicht hinausweisen lassen.

Und so trat er dicht an sie heran.

»Verzeihung, gnädiges Fräulein« sagte er leise und heiser, »ich bitte um die Erlaubnis, mich zu verabschieden.«

Es klang ihm selbst dünn und ärmlich, was er da sagte, – so als ob er gegen einen tosenden Wasserfall spräche. – Das verächtliche Lachen, das wie mit Peitschenhieben über ihn herfiel, befreite dann die unterdrückte Empörung in ihm. »Sie ..., was denken Sie sich eigentlich? ..., Sie ...«