Wir liefen hinunter zu den Bambusbüschen oder zu den roten Rosensträuchern, die eben aufblühen wollten, und lagen uns in den Armen und küßten uns voller Leidenschaft.

An die Zukunft zu denken, hüteten wir uns. Wenn wir am Tage über das süße Erlebnis der schwachen Stunde sprachen, fanden wir großartige Worte, bald der Entsagung, bald des Hohnes.

Manchmal gingen wir in unseren Gesprächen auch bis auf das Äußerste – die gänzliche Vereinigung in Rausch und Glut....

Einmal ganzes, volles Menschenglück ... einmal vor dem Tode....

Aber dann kam jedesmal eine große Abkühlung. Wir höhnten wohl über die höhere Tochter und den Regierungsassessor – aber aus ihnen herauskriechen konnten wir doch nicht....

Nach einer längeren Sommertrennung trafen wir uns in Davos wieder.

Da fing es plötzlich an, ihm besser zu gehen. Ach wie hab' ich jeden kleinen Fortschritt mit ihm erlebt und genossen! Wie hab' ich für ihn gejubelt! Er selbst blieb lange Zeit ungläubig.

Bis eines Tages Dr. Herholz ihn zum Professor rief.

Da kam er denn glühend und mit leuchtenden Augen zu mir, setzte sich an meinen Liegestuhl und sagte in staunender Glückseligkeit nur immer vor sich hin: »Geheilt entlassen – geheilt entlassen.«

Und dann hat er die Lehne meines Stuhls umklammert. Ich habe mich aufgerichtet, seinen Kopf in meine Hände genommen, – und habe ihn küssen wollen.... Und da – Aug' in Auge – sah ich in dem seinen plötzlich etwas aufblitzen.... Bangigkeit – Furcht – Grauen....