Wir haben uns sehr bald zusammengefunden.
Ich war der rechte Kamerad für einen, dessen schmerzvoller Kampf gegen das Sterbensollen ein viel härterer war als der der vergehenden Kreatur, den ich so oft mit angesehen hatte, denn bei meinem neuen Freunde wurde er verschärft durch einen fressenden Ehrgeiz, dem die Todeskrankheit plötzlich das Ziel entrissen hatte.
Hertog, obwohl auf dem Boden der bestehenden Staatsformen stehend, hielt sich – wohl nicht mit Unrecht – für einen großen sozialen Reformer. Er hatte eben als junger Assessor den ersten Schritt getan, der ihn der Verwirklichung seiner Pläne zuführen sollte, er war ins Ministerium berufen, und das Feld für seine offene und heimliche Arbeitsgier lag frei vor ihm. Da hatte ihn die Familienkrankheit, der er mit seinem eisernen Willen zu entwischen hoffte, nach einer starken Influenza gepackt und niedergeworfen.
Zwei Jahre lang sind wir Weggenossen gewesen im Schwarzwald, in den Schweizer Bergen und am Mittelländischen Meer.
Mein Gott – welch ein wildflackerndes Leben! – Und dabei Liegestuhl an Liegestuhl!
Er hielt mich natürlich ganz und gar in seinem Bann. Er war ja so weise wie niemand, den ich kannte. Er hatte den Dingen dieser Welt auf den Grund geschaut. Er konnte das anscheinend Gute, mit dem sie sich umkleideten, von ihnen reißen und ihr nacktes Skelett offenbaren.
Alles war Moder – alles, was leuchtete, Verwesungserscheinung. Der Tod beherrschte sein ganzes Denken, weil er sich ihm verfallen sah. Und mich mit ....
Oft sprachen wir über das alles, bis sich das Fieber über uns warf. Dann waren wir für Tage getrennt, und wenn wir uns wieder trafen, fingen wir auch wieder an, das Leben zu zerteilen und zu verhöhnen. Wir verspotteten jedes Gefühl, unser eigenes zuerst.
Denn natürlich – trotz allem – liebten wir uns.
An Frühlingsabenden, wenn in der Halle die Italiener »vorrei morire« heruntertremolierten, dann kam es wohl, daß uns Jugend und Rausch doch packten.