»Und übermorgen, für die Sitzung im Unterrichtsministerium, mußt du es ja unbedingt sein, liebes Herz. Das ist für den ganzen Winter von großer Tragweite ... Die Erkundigungen wegen der verschämten Armen, die du Exzellenz Berens abgenommen hast, sind erledigt, nicht? ... Du weißt, daß du Exzellenz übermorgen triffst? ...«
Frau Erika nickte.
»Bis auf eine,« sagte sie tonlos ... »Du bist sehr gut, daran zu denken.«
Er strich leicht über ihr Haar und zog mit spitzen Fingern die weiße Locke tiefer in die Stirn.
»Abends werde ich dann allein etwas unternehmen, wenn du einverstanden bist ... Die Philharmonie lasse ich auch ...«
Natürlich war Frau Erika einverstanden, und die treue Lina telephonierte einen zusagenden Bescheid des Herrn Doktor nach der Eichstädter Straße.
... Als der Abend gekommen war und eine fast fühlbare Stille über den Räumen lag, in denen eine feingestimmte Beleuchtung die Farbenzauber des Tages geheimnisvoll vertiefte oder verschwimmen ließ, ging Frau Erika, das ungewohnte abendliche Alleinsein unbewußt genießend, in der Zimmerflucht hin und her.
Ihre Gedanken wanderten erst in den gewohnten Geleisen:
... Bazar für das Säuglingsheim ... Toilette dazu ... Anprobe ... Sie sah in ihrem Notizbüchelchen nach, wann? ... zwei five o'clocks ... die Erkundigung nach dem lahmen Mädchen für Exzellenz Berens ... Neue Franzosen bei Cassirer ... Zwölf-Personen-Diner im Hause ... Das alles tauchte kraus durcheinander in ihren Überlegungen auf.
Aber sie war dabei voller Unruhe, und wahrscheinlich fieberte sie, – denn mitten in diesen notwendigen und auch wichtigen Tageseinteilungen glaubte sie beständig die Stimme ihres Vormittagsgastes zu hören, die sehr laut geklungen haben mußte ... Daher wohl auch die Eindringlichkeit der Worte, die schließlich doch nichts anderes gewesen waren, als der Ausdruck erwartungsvoller Lebensfreude, – wie sie selbst sie vor Jahren hätte aussprechen können ...