»Auch bitt ich dich, o Gott, verleih

Mir gnädiglich der Engel drei,

Die heute mir und jederzeit

Geleiter sei’n zur Seligkeit.

Der erste mög mir Führer sein,

Der zweite Kraft im Kampf verleihn,

Der dritte schütz mich immerdar,

Daß mir nichts Böses widerfahr!«

Kathrinchen kannte viele solche schönen Lieder, aber dieses Lied liebte sie am meisten. Sie hatte es heute beim Aufstehen, und während sie im Herd das Feuer anblies, schon vor sich hin gesagt, aber der Rauch war ihr in die Kehle geschlagen, sie hatte es nur in sich hineinmurmeln können, schon um die Mutter nicht zu wecken, die sich noch einmal niedergelegt hatte, nachdem der Vater fortgegangen war. Hier aber konnte sie laut nach Herzenslust singen. Hier kamen auch die Geschwister nicht immerfort gerannt, zupften sie hier, zupften sie da, wollten bald dieses, bald jenes. Ach, die Jungens! Kathrinchen schüttelte altklug das Köpfchen, wenn sie daran dachte, daß sich die großen Jungen noch immer nicht selber einen Hosenknopf annähen konnten und ihr das Bein hinstreckten: »Bind mer ens de Rieme!«

O, hier war es gut sein, hier hatte sie Ruh! Die Kühe fingen wieder an zu rupfen, aber es war, als ob sie im Takt rupften und dazu nickten, das machte Kathrinchen Spaß. Sie sang voller Lust und sang immer lauter und heller der Reihe nach alle Lieder, die sie konnte und warf dabei den groben Wollfaden auf dem gestreckten rechten Zeigefinger über die langen eisernen Nadeln, die sie unter die Arme gesteckt hatte, so flink, daß das Strümpfchen zusehends wuchs. Ei, der Dores hatte ja so dünne Bein’, das war ihm bald maß!