Die du voller Gnade bist!
Sei gegrüßt, du schönste Zier,
Gott, der Herr, ist selbst mit dir.
Du bist hochgebenedeit – –«
Der Gesang verstummte jäh, Frau Leykuhlen hatte die Tür geöffnet. »He, wo steckt ihr dann?«
Das Kathrinchen war erschrocken in den dunkelsten Winkel entwichen. Es traute sich nicht vor, weil der fremde Herr es so anlachte. Erst auf ein zweites Geheiß kam es heran mit gesenktem Kopf, immer den Dores auf dem Arm, und hielt stumm der Frau Bürgermeister den blechernen Henkeltopf hin, darin es alle Mittag und Abend eine Suppe für die Mutter holte.
»Du singst ja so hübsch,« sagte Josef.
»Oh ja, dat Kathrinche kann schön singen,« sagte die Frau und strich der Kleinen eine dunkle Haarsträhne unters Kopftüchelchen. »Setz doch de schwere Jung hin, drag den nit ümmer, Köngd!« Und als die Kleine zögernd flüsterte: »Da kriescht he!« nahm sie kurz entschlossen den Jungen selber auf den Arm. »Bis still, Dores, laaß dat Kathrinche dem Hähr jet singe! Sing ens, Köngd, sing ens, Kathrinche, wat du Christdag jesongen hast in der Scholl!«
Das Kathrinchen stellte sich in Positur, es wagte nicht zu widerstreben. Es faltete die Hände, ergeben-demütig.
Ah, das wurde einmal eine, die ihr Kreuz trug ohne Murren! Eine Rührung überkam den Junggesellen.