Höre unser Flehen:
Laß die Kinder, die hier sind,
In den Himmel gehen,
Daß sie mit den Engeln droben
Dich und deine Mutter loben.
Jesum und Maria!«
Josef Schmölder sagte kein Wort, er hatte gelauscht mit geneigtem Kopf. »Laß die Kinder, die hier sind, in den Himmel gehen« – das hatte ihn tief gerührt. Er fühlte, wie ihm Tränen in die Augen stiegen; unter einem Scherz suchte er seine Stimmung zu verbergen. Musikalisch, wie er war, pfiff er die Melodie des eben gehörten Liedes nach, und dann sagte er: »Ich denke, es gibt keinen Singvogel im Venn?! Da hätten wir ja doch einen!« Er versuchte, die zurückweichende Kleine in die Wange zu kneifen.
Aber die Bürgermeisterin blieb ernst. »Der heilige Schutzengel behüte dich!« sagte sie und legte dem Kind die Hand auf den Kopf. »So, Kathrinche, nu komm, nu kriegste de Zupp. Entschuldigen Sie ’ne Augeblick!«
Sie ging mit den Kindern in die Küche. Als sie nach kurzer Zeit wiederkam, fand sie ihren Gast zum Aufbruch gerüstet; er hatte den Hut aufgesetzt und den Spazierstock wieder zur Hand genommen.
»Wollen Sie nit auf meine Mann warten?«