[13] Verstört.
VI
Die lang-angedrohte Kommission war ins Dorf gekommen, hinter jede Hecke schnüffelte sie. Der Kreisphysikus war bei den Herren, er geleitete den Wasserbauinspektor und einen Brunnenmeister. Da hatte der Adams vom grünen Klee, der in der letzten Gemeinderatssitzung so ein großes Maul gehabt hatte, doch nicht das Herz, der Kommission den Zutritt auf seinen Hof zu verwehren. Und sein Kamerad, der Zumstädtchen, sagte auch kein Wort mehr. Freilich, eines sehr guten Empfanges konnten sich die Herren überall nicht rühmen. Freundlich die Mütze lüftend stand keiner der Bauern am Heckeneingang, keiner machte selber den Führer zum Ziehbrunnen hinters Haus, auf dem schmalen Pfädchen die Stallwand entlang, wo kaum zu treten war vor Brennesseln und Jauchepfützen. Die Frauen mußten heran, die waren wortreicher, die versicherten wiederholt, wie gut das Wasser sei, immer kühl und gesund seit Menschengedenken. Die Herren verstanden nichts vom Schwatzen der Weiber, einzig der Kreisphysikus kannte sich aus: wo die Weiber so arg viel redeten, da lag der Brunnen gewiß dicht bei der Jauchegrube.
»Es ist eine Schande,« sagte der Wasserbauinspektor zum Kreisphysikus, »daß die Leute hier keine Wasserleitung anlegen – doch so ein großes Dorf und eine ganz wohlhabende Gemeinde!«
»Sie haben erst kürzlich die Kirche gebaut!« Der Kreisphysikus zuckte die Achseln.
»Alles in Ehren,« sagte der andere wieder, »die Kirche – hm – aber eine Wasserleitung hätte nötiger getan. Acht Brunnen haben wir nun schon als verdächtig geschlossen; ein Brunnen genügte schon, die ganze Gegend zu verseuchen. Ich würde hier kein Wasser trinken; nicht ’nen Tropfen!«
»Ich auch nicht!« Die Herren hatten sich in ihrem Wagen das Frühstück mitgebracht, er hielt beim Wirtshaus. Sie gingen dorthin zurück, aber das dünne Bier, das die Bauern am Sonntag trinken, mundete ihnen nicht – konnte das nicht auch mit Wasser versetzt sein? Sie beschlossen, beim Bürgermeister anzuklopfen, der sicher einen trinkbaren Tropfen im Keller hatte.
Leykuhlen schien sie erwartet zu haben, die Frau kam schon mit Gläsern.
Den ganzen Morgen war der Bürgermeister im Hause hin und her geschritten, er hatte nicht hinaus mögen; zwar hatte er keine Angst – das Wasser war ja gut – aber doch trieb ihn eine heimliche Unrast um. »Nun?« fragte er jetzt gespannt.
»Schon so viele!« Der Kreisphysikus hielt acht Finger in die Höhe.