Da sagte sie, aussprechend, was ihr nun schon den ganzen Tag, seit die Mutter wieder so elend dalag, im Kopfe herumging: »Ich will ooch janz jenau so springen, wie et vorjeschriewen is, ich machen et mir nit kommod. Ich bin so jung, ich kann dat jut uhshaalde. Fünnef Schritt vor und vier zorück! On den Dores, wenn den nit mieh laufe kann, dann will ich him drage. Heiliger Willibrord, bitt für uns!« Sie bekreuzte sich, und dann lachte sie, heiter und zuversichtlich: »Dann hilft de oß Motter, on oß Doresche ooch. Dat is janz sicher!«

Der Weber nickte. Er hatte sonst gegen den Plan der Tochter nichts einzuwenden, aber Arbeitstage würde sie versäumen – den Mittwoch sicherlich, wenn nur nicht auch noch den Donnerstag!

Bäreb rechnete an ihren Fingern ab: Sonntag und Montag waren Feiertage, da hatte sie übrig Zeit, hinzukommen, konnte schon Montag mittag an Ort und Stelle sein. Am dritten Feiertag, am Dienstag, war die Prozession. Da konnte sie abends noch ein Stück wieder zurückkommen, und Mittwoch abend war sie dann zu Hause; nur ein Arbeitstag brauchte also versäumt zu sein. Donnerstag war sie schon wieder in der Fabrik, als wäre nichts gewesen. Ihre ganze Kraft, ihr ganzer Jugendmut lag in dieser Rechnung. Wie konnte sie müde werden, was brauchte sie auszuruhen?!

Die Kuh muhte dumpf, ihr Leib zitterte, als empfände sie Schmerzen.

»Maiblum, no?« Das Mädchen sah besorgt nach ihr hin, dann gab es ihr einen Schlag mit der flachen Hand, kräftig-liebkosend: »Maiblum, ich saon der, wart, bis ich wieder daheem bin, maach keen Saachen!«

Der Weber schmunzelte. In aller Not hatte er doch noch Glück, ein großes Glück: brave Kinder hatte ihm der Herrgott gegeben!

Im dumpfen Stall, wo sie beide gebückt stehen mußten, so niedrig war er, legte der Vater der Tochter die Hand auf. Eine gewisse Würde war in dem Ton, mit dem er sprach: »Da jeh denn in Jottes Namen!«

[10] Brunnen.

[11] untersuchen.

[12] kallen = schwatzen.