Die stand trächtig. Ihr großer, runder Leib füllte fast den ganzen winzigen Stall aus. Er klopfte sie seufzend; er konnte sie nicht recht sehen im dumpfen, lichtlosen Raum, aber sie war doch eine Hoffnung. Wenn die Kuh ein Kalb bekam, dann war das ein großer Segen. Man konnte es aufziehen oder man konnte es auch bald verkaufen, je nachdem.

Die Kuh stand unruhig, sie machte einen Satz.

»He, Maiblum!« Liebkosend legte der Mann seinen Kopf an die breite Stirn des schnaufenden Tiefes und stand so, gebückt, ein Weilchen. Das gab ihm Ruhe. Morgen früh, ehe die Sonne noch aufgegangen war, mußte er wieder fort nach Aachen, die ganze Woche wegbleiben – aber saß denn nicht noch die heilige Dreifaltigkeit oben im Himmel?!

Bäreb, die Älteste, hatte den Vater in den Stall gehen sehen. Nun kam sie ihm nach. Auch sie mußte sich bücken, sie war noch gewachsen in letzter Zeit.

»Wat willste?« Er richtete sein hageres, schlecht rasiertes Gesicht von der Stirn der Kuh auf und sah sie erschrocken an: »Is et schlechter mit der Motter?«

»Nee!« Sie schüttelte den Kopf. Sie hatte noch nicht das Sonntagskleid austun können, aber sie hatte es hochgeschlagen; und nun, im Schmutz des Stalles, in dem es nur wenig Streu gab, zog sie ihre Röcke zwischen die Beine hoch und klemmte sie so fest. Sie war ein reinliches Mädchen. »Ich muß Uech ens spreche,« sagte sie und errötete tief.

Warum wurde sie denn so rot? Der Vater bekam einen plötzlichen Schreck: die Bäreb war jung, auch hübsch – sollte noch neues Unheil zum anderen dazu kommen?! »Nu sag et als rasch,« sagte er müde und matt.

»Ich will no’r Echternach jonn – über vierzehn Tag – springen!« Sie hatte sich Mut gefaßt: warum sollte der Vater denn auch dawider sein? Und sie hatte sich schon fleißig umgehört, jeder im Dorfe wußte davon zu erzählen, sie war ganz genau unterrichtet. Teuer war’s nicht sehr bis nach Echternach, die Eisenbahnfahrt war ermäßigt, es kostete vierter Klasse nicht viel. Und viele würden wallfahrten, sie war nicht allein, sie fand Anschluß genug. Ihr brauchte nicht zu grauen. Und zu Haus mußten sie sich eben ein paar Tage behelfen ohne sie, das Kathrinchen war ja auch schon so verständig; und wenn sie den Dores gar mitnehmen würde zum heiligen Willibrord – ja, das war das beste, dann sah der das Kind gleich selber – dann war ohnehin die größte Last aus dem Haus.

»Ich jonn,« sagte sie entschlossen. »Ich denk, Ihr werdt nühst derje’n han, Vatter, ich wollt et Uech bloß saone. Die Motter hält de Bittjang doch nit uhs. Ich bin die nächste derzu – hui, on ich kann springe!« Die Lust dazu flammte in ihr auf, ihre Augen blinkten.

Der Alte sagte nicht viel, er nickte nur: »Wenn de meinst!«