»Nix,« sagte Jacobs heiser und unterdrückte sein Stöhnen.

Der Rotfuchs war immer unfreundlich und borstig wie seine Haare, sie mochten ihn alle nicht; da waren der Süßchenbäcker und selbst der Torfdrücker – pfui, ein Gannef, ein Dieb ist was Verächtliches, – doch noch besser zu leiden. Aber die Kameradschaft regte sich jetzt doch in ihnen. Der Rotfuchs sah immer elend aus, war der am Ende krank geworden?

»Was haste für’n Schlamassel?« fragte leise der Dieb von oben herunter.

»Kümmer dich um deine eignen Masematten,« war die verbissene Antwort.

Aber der alte Landstreicher, der Betnoster, wie sie ihn nannten, weil er morgens und abends und mittags sich bekreuzte und betete, fragte treuherzig: »Haste Hunger, mingeSohn?« Ihm schmeckten Suppe und schwarzes Brot immer so köstlich, er hatte sonst niemals so satt gekriegt. »Da!« Er zog aus seinem Strohsack einen Kanten Brot hervor und langte ihn dem anderen herüber. »Iß, dann kriegste neue Kurasch!«

Der Rote nahm die Gabe nicht: pah, Hunger war nichts gegen das, was ihn quälte! Er dankte nicht einmal. Was wollte der ›Achelpeter‹?[17] Ohne Laut stierte er geradeaus, die Kniee hochgezogen im Bett sitzend, die Ellenbogen aufgestemmt, den Kopf zwischen die Fäuste gequetscht wie zwischen eiserne Schrauben. In der falben Helle, die ein Mondstrahl warf, schimmerte sein Gesicht totenbleich. Er knirschte mit den Zähnen.

Der Torfdrücker und der Süßchenbäcker gaben das Fragen auf: wenn der nicht reden wollte, sollte er’s bleiben lassen, ihnen war es egal! Aber sie waren nun einmal in eine Art von Unterhaltung gekommen; am Tag draußen bei der Arbeit redeten sie kein Wort, jetzt konnte man sich ja ein bißchen besprechen.

Von Bett zu Bett fing ein Tuscheln an, ein Raunen und Lispeln. Auch andere nahmen bald teil daran, erst die zunächst Liegenden, dann auch die Ferneren.

Im bleichen Mond saßen sie aufrecht in ihren Betten, mit struppigen Haaren und verdunsenen Gesichtern; die Mücken des Venns, die erbarmungslosen Quälgeister, hatten sie schon weidlich zerstochen. Hier huschte ein Mondenstrahl und dort einer – bläulich schimmerten tätowierte Brüste – es tauchte für Augenblicke wieder ein neues verquollenes Gesicht auf mit struppigen Haaren und stieren Augen.

Sonst waren sie stumm, die heutige Nacht hatte sie beredt gemacht. Sie dachten alle an den Aufseher, der nun bei seiner Frau war. Und sie beneideten ihn, die Ledigen sowohl wie die Verheirateten. Der Roßschlächter, der Süßchenbäcker, sagte roh: »Der Teufel soll ihm en Bein stellen, wenn er zu seiner Keife geht! So ’n Hannes, so ’n Blechseppel! Ich hab auch en Frau zu Haus. Mer sollt den Kerl abstechen wie en Sau!«