Aber der Süßchenbäcker nahm den Mund voll, er prahlte gewaltig: »Ich bin stark, stärker wie’n Peerd, zehnmal stärker als der Bräuer; den schmeiß ich um. Un dann käpernicken wir auf und dervon. Zwei Kochemer[20] wie wir, dufte Jungens, kommen überall durch. In ’ner Stund oder zwei sind wir über der Jrenz, wir drehen den Blauen en lange Nas’, wir sind frei, frei!« Er dehnte den gewaltigen Körper.

»Dann kannste nie mehr nach Haus,« sagte eintönig der Landstreicher. »Tu dat nit, ich rat dir!«

»Ach wat, armer Pracher! Du Schnorrer, halt deine Brotlad!«[21] Die beiden Kerls lachten roh.

»Wandern, immer wandern, dat is en schlecht Jeschäft!« Der Landstreicher schüttelte traurig den Kopf. »Ich kann en Lied dervon singen. Hätt ich dazumal en Stück Brot jehabt, da hätt ich beim Bauer die Eier nit aus dem Stall zu holen jebraucht und wär nit trinken jegangen an die Kuh. Ich war nachher als noch öfter da, oh ja. Den ganzen Sommer hab ich nahbei im Feld jeschlafen, en Höhl hatt ich da. Aber hätt ich dat Jlück nit jehabt, dat der Grüne mich jekriegt hätt, ich hätt doch wieder Land auf, Land ab streichen müssen, wenn der Winter kam un meine Höhl zujefroren war im Feld. Nee, Jungens, nee, frei sein is nur schön, wenn mer auch wat zu acheln hat un nit immer zu tippeln braucht, zu tippeln von Städtchen zu Städtchen, von Dorf zu Dorf!«

»Du Schlemihl, du Schaute!« Sie lachten ihn aus; aber sie sprachen nicht mehr vom Freisein. Die Unterhaltung, die lauter geworden war im Eifer, verstummte wieder; nun flüsterten sie nur noch, scheu-ängstlich. Wie Windesgelispel und wie Geseufz ging’s durch den wüsten Raum unterm nackten Sparrengebälk.

Selbst der Süßchenbäcker hatte sein lautes Prahlen gelassen, er hatte sich zu dem Schuster auf den Bettrand gesetzt; die Köpfe zusammensteckend, tuschelten sie ganz heimlich miteinander.

Der Landstreicher neigte sich zu Jacobs hinüber: »Rotfuchs,« sagte er, »warum bist du hier?«

»Darum!« sagte der patzig.

Aber der Alte ließ nicht locker. »Nu sag doch, sag ens! Haste jetippelt wie ich? Haste Schlamassel gehabt in der Besoffenheit – haste einen jestoch?«

Als Antwort kam nur ein dumpfes Knurren.