»Äh, was, Geschäfte! Adieu!« Der alte Major schwenkte hinüber in das andere Gasthaus, dessen Wirt schon in der Türe stand und sich für heute, da der Schwan geschlossen blieb, viel Zuspruch erhoffte.
Einer der Leidtragenden nach dem andern verschwand im Bierlokal. Nur der, auf den Mühlenbrink, langsam die Gasse hinabschlendernd, wartete, spazierte noch immer nicht in die Wirtshaustür. Wo steckte denn der Bürgermeister von Heckenbroich? War er am Ende mit bis zum Kirchhof hinaufgegangen?
Der Landrat war schon ein paarmal bis zum Gäßchen zurückgeschritten und hatte ungeduldig den Weg emporgesehen, der, teils in Treppenstufen, teils über schieferige Platten führend, zur Kirchhofsley ansteigt. Ein paar Eidechschen schlüpften, vom stechenden Frühlingsschein hervorgelockt, über die Gasse und verschwanden schwänzelnd in den Spalten des bröckligen Mauerwerks, über das das Obergeschoß der Häuschen weit vorspringt.
Mit rüstigem Schritt, den rauhhaarigen Zylinder in der Hand tragend, kam jetzt der Bürgermeister von Heckenbroich die Gasse herunter. Man sah es, er war mit bis oben gewesen, seine Stirn war feucht von Schweiß.
»Endlich! Na, wo stecken Sie denn so lange, lieber Herr Bürgermeister?« Der Landrat schüttelte ihm die Hand.
»Ich hab dem Wilhelm noch die letzte Ehre erwiesen,« sagte ernst Bartholomäus Leykuhlen.
»Eine halbe Stunde warte ich auf Sie. Sie machen sich ja so rar! Ich wollte doch nicht versäumen, Ihnen einmal guten Tag zu sagen!«
»Zuviel Ehre für mich!« Der bäuerliche Mann wischte sich ruhig mit der flachen Hand den Schweiß von der Stirn und setzte dann den altmodischen Zylinder wieder auf. »Darf ich fragen, was der Herr Landrat von mir wissen möcht?« Das frische Gesicht unter dem schon ergrauenden Haar blieb ganz unbewegt. In den klaren Augen, die den andern frei ansahen, konnte man nur eine gewisse erstaunte Frage bemerken, aber nichts von der Ironie, die doch das mißtrauische Ohr aus dem Ton der Stimme zu hören geneigt war.
»Ich – ich? Wissen?« Mühlenbrink lachte ein wenig nervös. »Nein, wissen will ich garnichts von Ihnen. Aber wie steht’s denn eigentlich bei Ihnen oben? Was denken Sie, wird es viel Futter geben, dies Jahr? Und wie ist der Gesundheitszustand?«
»Sehen Sie, da wollen Sie ja als wat wissen!« Leykuhlen lachte ungeniert. »Und wat viel auf einmal. Herr Landrat, dat weiß nur der Himmel. Dat Frühjahr läßt sich trocken an, diesen Winter haben wir auch ausnahmsweis wenig Schnee jehabt; wird wohl knapp mit Wasser werden dies Jahr!«