Alle heiligen Chöre seliger Geister, bittet für uns!«
Die blonde Angela schrie alle Engel und Erzengel, alle Jünger des Herrn, alle Propheten und Märtyrer, alle heiligen Bischöfe und Beichtiger, Priester und Leviten, Mönche und Einsiedler in unendlicher Reihe auf sich herab.
Es schwindelte Bäreb. Wie war es möglich, die ganze Litanei zu allen Heiligen im Kopf zu behalten?! Sie fing an, das Mädchen zu bestaunen. Auch die anderen Waller hefteten bewundernde Blicke auf die Beterin. Wahrhaftig, das war keine Kranke, das war eine besonders Begnadete!
Die Mutter, die erst verlegen dareingeschaut und versucht hatte, durch ein Zupfen am Ärmel die Tochter zu leiserem Beten zu bestimmen, verzog nun den Mund in geschmeicheltem Stolz. Ja, das war wahr, ihre Angela war ein sehr frommes Kind, die sollte auch ins Kloster gehen, sowie sie gesund war. Und wenn’s auch ihre einzige Tochter war, die gelobte sie Gott. Jetzt ermunterte sie die Tochter zu weiterem Beten noch.
Wo die nur all diese Worte her hatte?! Das war ein Schwall, ein Erguß, ein Strömen, ein Fließen von heiligen Worten, daß es schier betäubte. Bäreb, der schon am Morgen der Kopf schwer gewesen war, fühlte ihn immer schwerer werden. Sie war wie im Rausch, wie am Tage vorher, da die hübschen Soldaten ihr soviel Verliebtes ins Ohr geflüstert hatten. Gestern so wie heut – heut so wie gestern! Sie konnte gar nicht mehr klar denken.
Wo war der Tag geblieben? Die Stunden waren so rasch verronnen wie ein Traum. War das Echternach? Ja, das war Echternach.
Willenlos, gedankenlos war Bäreb der führenden Menge ins Städtchen hineingefolgt. Sie sah nicht, wie lieblich das lag zwischen Gärten, in denen Apfel- und Birnbäume eben abgeblüht hatten und Kirschbäume schon sich rötende Früchte zeigten, die daheim nie reiften.
An die Spitze der einziehenden Wallfahrer hatte sich ein Musikkorps gestellt, dahinter reihten sich die Gemeinden; die geistlichen Hirten ordneten ihre Herden. Viele, viele gläubige Schäflein aus vielen Ortschaften, aus Nähe und Ferne; Staub auf den Kleidern, aber im Herzen Seligkeit. Nun war es erreicht, zu Fuß und zu Wagen, mit Not und Ermüdung, mit Anstrengung und Kosten. Hier war gelobtes Land, hier war man endlich in Echternach!
Das vorderste Musikkorps spielte, andere Musikkorps wollten nicht zurückbleiben – jede Gemeinde hatte ihren Ehrgeiz – sie spielten zum Einzug das Willibrorduslied, und tausend Kehlen stimmten jubelnd an: