Peter Miffert war eingetreten; das linke Bein etwas nachziehend, näherte er sich langsam dem ersten Tisch. Nicht jeder reichte ihm die Hand; er schien das garnicht zu bemerken, er hatte für alle das gleiche halb gutmütige, halb verschmitzte Lachen. Als sie zusammen rückten, ließ er sich auf dem schmalen Plätzchen am Ende der Bank nieder. Er sagte nicht: „Röckt noch ebbes“ — er sagte: „Met Verlöw“ und placierte seine Beine so bequem als möglich unter dem Tisch.
„No, Pittchen,“ rief Niklas Densborn, einer der älteren, der obenan saß, „wat schaffste? Dau giefst jao fett wie en Hammel! Dat glauwen ech der, dau has jao aach en Läwen wie onsen Hährgott in Frankreich!“
„Spaor dei Red,“ schrie Thomas Laufeld, ein stämmiger Bursche mit einer Stupsnase. „Dän kann dat Läwen jao bal net mieh mantenören[6]! Kucktelhei dat Pittchen!“ Er brüllte, um sich in dem allgemeinen Gelächter verständlich zu machen, packte den neben ihm sitzenden Miffert bei’m Handgelenk, streifte ihm den Ärmel zurück und hielt gewaltsam den mageren Arm in die Höhe. „Kucktelhei, Haut on Knochen, ke halw Pündche Fleisch!“
Peter strebte, sich frei zu machen, aber ohne Gewalt, ganz sanft; sein hübsches Gesicht lächelte noch immer. „Laoß de Dommhaaten,“ sagte er gelassen.
Laufeld brüllte weiter, er schien einen besonderen Ingrimm zu hegen.
„Dau thätst aach besser, dau gingst met ons uf Arweit. Wat hockste hei bei de Fraleider?! Kuck“ — er hielt seinen fleischigen Arm neben den dürren des Peter und schlug sich auf die herausgedrückte Brust, daß es klatschte — „dat es en Kerl! Dat micht de Arweit, on wann mer net alleweil de Menscher am Schörzenzippel hängt! Dau deierlicher[7] Schmachtlappes, dürr wie en Axstill, dein Fra haot dech wohl“ —
„Mein Fra aus em Spill,“ sagte Miffert plötzlich und machte eine kurze Bewegung, als ob er eine Fliege wegscheuche — da lag auch schon der Laufeld unter der Bank, wie niedergeschmettert.
Man half dem Gestürzten auf; ganz verdutzt stand er da und klopfte den Staub von seinen Hosen. Die anderen lachten, einige schimpften.
„Dürr wie en Axstill, äwer Kraft wie en Ochs,“ brummte anerkennend Niklas Densborn; und dann sich zu Miffert wendend, der dasaß, als ginge ihn all das nichts an, sagte er vorwurfsvoll: „Et es en Schand, Peter, dat dau net erunner maachst in die Fabrik; dau has Schlosser gelernt, dat kömmt der lao zo paß. On guden Verdienst gitt et lao unnen; bei owen kannste Hongerpoten kötschen!“[8]
Miffert zog das Maul schief; er sah unbeschreiblich faul aus in der nachlässigen Haltung, mit der etwas hängenden Lippe und dem schläfrigen Blick unter schweren Lidern. Er sprach auch schläfrig, kaum daß er die Zähne von einander brachte: