Sie war immer guter Dinge; seelenvergnügt fiel sie ihm um den Hals, wenn er ihr etwas von seinen Wanderungen mitbrachte.

Bald war er in Oberkail, bald in Spang-Dahlem; den einen Tag in Großlittgen, den andren in Ober-Öfflingen; heut in Musweiler, morgen, in entgegengesetzter Richtung, in Bettenfeld; diesseit in Landscheid und jenseit in Hupperath, immer die kreuz und quer, von Dörfchen zu Dörfchen. Bis nach Manderscheid lief er und gar bis gen Daun; in der ganzen Gegend war er bekannt, im näheren und weiteren Umkreis. Die Wirte sahen ihn gern kommen, er hatte eine flotte Art, den blanken Thaler auf den Tisch zu werfen: ‚Dao, zieht de Rechnung ahf!‘ Mitunter ließ er sich auch von einem Bäuerlein wechseln, das froh war, seine grünspanigen Kupferpfennige und abgeschabten Gröschchen einzutauschen gegen das blanke Silberstück.

Sie litten keine Not mehr, und doch sah Peter elend aus; so tief hatten ihm nie die Augen im Kopf gelegen, scheu und gedrückt schlug er den Blick zu Boden, nur nach ein paar Gläsern Schnaps flammte der auf. Dann glühten die düstren Augen, wie hell brennende Kohlen; in wilder Lustigkeit schlug Pittchen auf den Tisch: ‚Wat kost’ de Welt?!‘ Und dann trank er und trank, bis daß er sinnlos davon taumelte. Regen und Schnee ernüchterten ihn nicht, torkelnd zog er über die einsamen Landstraßen und durch den nachtdunklen Wald. Dann sprach er wild vor sich hin; schrie, laut schimpfend, die Bäume an und focht mit den Armen wie ein Verrückter.

Die Kleider schlotterten ihm um den Leib, sein Gesicht war abgezehrt, und doch hingen die Weiber an ihm wie die Kletten. Heute die, morgen die. Die Tina beherrschte ihn ganz; die loderte um ihn her, wie eine Flamme um ein dürres Holzscheit, und züngelte und leckte, bis daß er Feuer fing. Dann konnte er auch aufflammen, und alle ‚Wiehduhns‘[44] gingen in Rauch auf; zwar nur für Augenblicke, aber um diese Augenblicke that er ihr allen Willen.

Sie war unersättlich, bald begehrte sie dies, bald das: eine Brosche, eine Schleife, einen Ring, eine Schürze, Zuckerzeug und wohlriechende Pomade. Bald mußte er sie dahin führen, bald dorthin. Sie schmeichelte und trotzte, sie versprach und versagte, und wenn er zuletzt gequält rief: ‚Laoß mech in Ruh, maach, datste weg kömmst,‘ lachte sie ihm in’s Gesicht. ‚Maach dau, datste weg kömmst! Lauf bei dein Zeih, lao kannste zukucken, wie dän Oberkailer dat caressiert!‘

Sie hatte nicht die Unwahrheit gesprochen. Als er zum ersten Mal den Gendarm bei der Zeih antraf, brüllte er in sinnlos eifersüchtiger Wut. Die geballten Fäuste schwingend, sprudelte er wilde Drohungen: „Eraus, eraus! Ech schlaon Eich dod, ech — eraus, tutswit, eraus!“

Der Gendarm ging schon, ganz gekränkte Würde; nur auf der Schwelle drehte er sich noch einmal um und drohte mit dem Zeigefinger der wildleder-behandschuhten Rechten: „Nehmen Sie sich in Acht! Beleidigung der Obrigkeit wird mit Gefängnis bestraft. Sie überhaupt — Sie —“ er spuckte aus; es schien Peter, als hefte sich sein Blick durchdringend gegenüber auf die Kammerthür. — „Sie haben überhaupt jar keine Ehre mehr, mitzureden. Bitte mir Achtung aus, werde Ihnen sonst mal auf die Bude rücken, Sie — Tappert!“ Rasch die Thür zuwerfend, verließ er schleunigst das ungastliche Haus.

„Wat maant hän dermit?“ schrie Pittchen die Zeih an; seine Augen rollten hin und her.

„Bis still, Pittchen! Bis still!“ Sie war in Angst vor ihrem Mann.

„Ech sollen mech in Aacht holen — uf de Bud rücken?!“ murmelte Peter. Und dann brüllte er: „Wat haot hän von der Kammer gesaot — wat? Antwort!“