„Im Mai, im Mai,
Moß mer sein zo zwei —“

„Still,“ sagte Bäbbi und drehte sich um. „Hör uf met dem schnippschnappig Lied! Hörste dann net de Lerch? Still! Se es Gottes Vogel.“

Auf einem nahen Grasbüschel saß die Lerche. „Tirili, tirili!“ Mit den Flügelchen schlagend, erhob sie sich, jetzt schoß sie aufwärts wie ein Pfeil; in Kreisen, höher und höher steigend, schmetterte sie ihr jauchzendes Tirili himmelan.

„Iwickelchen, Liwickelchen,“[48] schrien die Mädchen und sprangen, in die Hände klatschend, wie die Tollen in die Wiese hinein. Sie rauften mit beiden Händen das kurze Gras aus und schleuderten es sich in’s Gesicht, wie ein Regen rieselte es ihnen über Haar und Schultern; sie trappten hin und her, mit Gelächter und Gekreisch, ihre schweren Nägelschuh traten die zarten sprossenden Hälmchen tot.

Zeih blieb ein wenig zurück, die hageren Dinger liefen ihr denn doch zu schnell. Und da sah sie auch ein paar gelbe Blumen des Löwenzahns, erfreut pflückte sie sie ab und steckte sie sich in’s Haar — glänzten die nicht wie eitel Gold? Anmutig nickten die leuchtenden Blüten auf den braunen Scheitel.

Kaum sah Tina die also Geschmückte, riß sie ihr auch schon die Blumen vom Kopf. Zeih schalt lachend und riß ihr Eigentum wieder an sich; das ging hin und her, ein förmlicher Kampf begann, ein halb spielerisches, halb ernsthaftes Balgen. Zuletzt schleuderte Tina die zerknickten Stengel von sich: „Lao haste dän Dreck!“ Die Füße der Weiber schritten achtlos darüber weg.

Bäbbi war den anderen weit voraus; jetzt blieb sie stehen und wartete auf die Nachzügler. Mit zusammengezogenen Brauen sah sie ihnen entgegen. „Kommt, kommt!“ rief sie unwillig. „Laoßt de Alfanzereien!“

„Alfanzereien?!“ Tina lachte spöttisch und hob keck ihre Nasenspitze zu der um einen Kopf Größeren, „sei dau nor net e su fürnehm, Lenzen Bäbb, mer waaß jao doch, wän dau bis!“ Kichernd stieß sie die Vrun an, und die Vrun stieß die Leis an, und die Leis die Zeih.

Eine dunkle Röte stieg Bäbbi in die Wangen, aber sie sagte nichts; mit einem ernsten Blick sah sie von oben herunter auf die Kleinere.

„Haha,“ fing Tina wieder an — sie hatte den Blick wohl verstanden und boste sich darüber — „dau wills ons Conduitten liehren — dau?! Dau maanst wohl, dau därfst dat, weil de noch in der elften Stund onner de Hauw gekommen bis? Olau, e su domm! Mer kennt dän Vogel an sein Federn, wann hän sein Stimm aach noch e su verstellen duht. Hahaha!“