Nun standen die Fenster der Eichelhütte weit offen, der laue Frühlingswind durchfächelte die Stuben und spielte mit den großblumigen Vorhängen des gemütlichen Himmelbetts. Mit allem, was da lag und stand, hatte der Schmitz das Haus gekauft, von den Geweihen und rostigen Flinten an den Wänden bis herab zum Wildschweinsfell vor der Thürschwelle. Er wanderte in seinem doppeltgefütterten Schlafrock, die lange Pfeife im Mund, von einem Raum in den anderen, trieb freundliche Scherze mit den Weibern, die da fegten und scheuerten, und fühlte sich ganz als Herr und Besitzer.

Gestern war er durch’s Dorf spaziert und hatte die ausgesucht, die ihm zur Arbeit am tauglichsten schienen. Alle waren gelaufen gekommen und hatten sich angeboten, selbst die alte Schneidersch und die kleine Bill. Die hübschesten waren die tauglichsten; Herr Schmitz hatte sich schon ein Trüppchen zusammengestellt, da kam die Zeih des Wegs — Donnerwetter, war das ein Frauenzimmer!

Der alte Junggesell riß seine blauen Äuglein auf. Merkwürdig, Jahre lang hatte er keine Anfechtung mehr gehabt, nur an seine Häute gedacht — Gerberlohe trug ihm die schönste Farbe — nun blieb sein Blick auf diesen braunen Flechten haften, die sich so glänzend, zu einem dicken Nest gesteckt, zeigten. Und ein Fellchen hatte die! Hell und zart, wie ein junges Kalb.

Machte es die Frühlingsluft, die stark und lebenerweckend von den Bergen wehte? Machte es der Dunstkreis all des Weibervolks, das sich um ihn drängte? Herr Schmitz fühlte eine seltsame Unruhe in den Beinen, das Wasser lief ihm im Mund zusammen.

Linkisch galant zog er die Mütze. „He, junge Frau. Guten Tag!“

Lucia lächelte, daß man all ihre weißen Zähne sah; das leicht bewegliche Blut schoß ihr in die Wangen, sie waren rot wie reife Äpfel.

‚Fett wie ein Hammel,‘ dachte Schmitz und ließ einen väterlich wohlwollenden Blick über die junge Frau gleiten; er liebte das ‚Völlige‘. Wohlbeleibte Menschen waren immer gemütlich im Umgang; er selbst hatte sich ja auch ein Bäuchlein zugelegt. Ein instinktiver Selbsterhaltungstrieb zog ihn zu Zeihs angenehmer Fülle, die doppelt auffiel zwischen den sehnig schlanken, fast hageren Gestalten der übrigen Weiber.

Das war was für ihn! Die wollte er zur Aufwärterin wählen! Ihr freundlich heitrer Blick aus klaren, braunen Augen bestärkte ihn noch darin.

„No, junge Frau,“ sagte er, „haben Se et auch als jehört, dat der Schmitz hier sein Residenz aufschlage will? He? Ich brauch en Frauensperson, die mer et Bett macht un en Taß Kaffee kocht; ich bin simpel jewöhnt, aber en Buttel muß se aufziehn können un auch en Spaß verstehn. Im übrigen hab ich jern mein Ruh.“

Zeih sah ihn mit offnem Mund an; sie verstand den Herrn nicht, aber sie lächelte.