Sie gefiel ihm immer besser; die anderen waren ihm viel zu geschwind mit dem Mundwerk, besonders die eine, die junge Schwarze, die sie Tina nannten und die mit ihren dreisten Blicken unheimlich herumfunkelte.
„No,“ sagte er wieder und klopfte Zeih auf die Schulter, „können Sie bei mer die Aufwartung machen? Wie steht et dermit, he? Oder sind Sie zu fein derzu?“ Jetzt erst war ihm ihr ausgeputztes Kleid aufgefallen, das handbreit länger war, als die Röcke der anderen.
Die umstehenden Weiber stießen sich an und kicherten halblaut.
„Se es dem Pittchen sein Fra,“ rief Tina keck, „dän haot geärwt. Eweil haot dat Zeih dat Arweiden net mieh nedig. Wann hän net bal ales versoff haot; dann gieft dat freilich en anner Mod! On wann dän Oberkailer Schandarm net schplendid —“
„Bis still,“ fiel ihr Zeih hastig in’s Wort und zupfte sie am Rock. Und sich mit dunkelrotem Kopf wieder zu dem Herrn wendend, flüsterte sie schüchtern, die Wimpern gesenkt: „Ech moß erscht dat Pittchen fraon, hän es e su — e su — ech glauwen net, dat dän et gären sieht.“ Zögernd sagte sie es, sie hätte für ihr Leben gern die Aufwartung übernommen, nicht das Geld war’s, das sie lockte — zu essen und trinken hatte sie ja — aber so ein Herr aus der Stadt konnte allerlei Präsente machen, von denen man hier nichts ahnte. Schade, daß mit dem Pittchen jetzt so gar nichts anzufangen war! Wie ein Rasender war er auf und nieder gerannt und hatte geflucht und geschimpft, als er von dem neuen Besitzer der Eichelhütte gehört hatte.
Mit einem Seufzer schlug sie die Augen auf, die feucht schimmerten. „Ech därf jao net!“
Mitleidig sah ihr Schmitz nach, als sie mit gesenktem Kopf davonschritt — das war ja eine rechte Kreuzträgerin, und so ein sanftes, kreuzbraves Weibchen! — — — —
Heute, als der Besitzer der Eichelhütte die Schar der fegenden Weiber besichtigte, bedauerte er wieder auf’s neue, die hübsche Zeih nicht darunter zu sehen. Die hätte gewiß nicht so gepoltert und unbändig hantiert, sondern so nett gemächlich, wie es einem Mann in seinen Jahren angenehm war. Fast wollte es ihn bedünken, als trieben die Weibsbilder ihren Possen mit ihm; die kecke Schwarze, hoch oben auf der höchsten Leitersprosse, wippte hin und her, daß ihm der Angstschweiß ausbrach; und die mit den blonden Zöpfen goß ihm einen vollen Eimer Wasser grade vor den Füßen aus. Er flüchtete vor die Hausthür.
Da stand er nun in seinen grasgrünen Pantoffeln, die Hände in den Schlafrocktaschen vergraben, einen Shawl um den Hals, mächtige Tabakwolken in den hellen Morgen hinausqualmend. Mit behaglicher Rührung musterte er die Umgebung. So waren ihm die Heimatberge mit ihren runden Buckeln und den daranhängenden, winzigen Äckerchen manchmal im Traum erschienen! Und dann dachte er an das ‚Mus‘, an ‚Kabes met Grombieren on Griewen‘, die er sich für heut mittag beim Krumscheid bestellt, und sein Eifeler Magen knurrte in süßer Erinnerung.
Schmunzelnd blickte er die Straße zum Dorf hinunter. Alles ruhig und friedlich, kein Wagen, kein störender Lärm. Nur eine einsame Frauengestalt kam des Weges; als diese sich bemerkt sah, zögerte sie und trat dicht an die Mauer des Kirchhofs heran.