Schmitz ständerte noch ein wenig vor der Hausthür herum und besichtigte dann seinen Garten. Wenn die hohen Bäume sich erst belaubten, mußten sie einen köstlichen Schatten geben. Mochte die Sonne noch so brennen, hier war’s angenehm; man konnte eine Hängematte aufhängen und sanft darin duseln, und dort auf dem grünbemoosten Steintisch mit der rätselhaften, eingemeißelten Inschrift hielt sich der Moselwein gewiß kühl.
Sehr befriedigt kehrte er aus dem Garten zurück; da sah er am Gitter eine Gestalt vorbeischleichen, die jetzt still stand und neugierig durch die Stäbe lugte. Als er die Brille aus der Tasche gezogen, mit seinen plumpen Fingern daran gewischt und sie auf die Nase geschoben hatte, erkannte er die Zeih.
„Sieh ens an!“ sagte er erfreut. „Weißt du auch, mein Dochter, dat ich heut als an dich jedacht hab?!“
Sie stand verlegen lächelnd. Hinter sich her hatte sie ein Holzwägelchen gezogen; darin saß ein erbärmlicher, kleiner Junge. Er ließ die Unterlippe hängen, der Sabber lief ihm ununterbrochen aus dem Mund und vereinte sich mit dem Brünnlein, das aus der Nase quoll, vorn auf dem Lätzchen.
„Dat es ons Josefche,“ sprach die Zeih, als sie den Blick des Herrn bemerkte.
„So so. Hm hm!“ Er konnte seine Verwunderung kaum verbergen — wie kam das hübsche, frische Weib zu dem elenden Kind?! Der Vater mußte doch gar nichts taugen. Die Leute hatten sicher recht, die den Miffert einen Säufer und Weiberjäger nannten; so allerlei war ihm hintenherum über den Kerl zu Ohren gekommen. Das arme Weib!
„Kommt doch herein,“ sagte er freundlich, öffnete das Gitterthor und zog selbst das Wägelchen in den Garten.
Schüchtern trat die Zeih ein und ließ ihre Blicke an den hohen Stämmen hinauf und hinunter gleiten; vor lauter Verlegenheit nahm sie dann das Josefchen auf den Arm und herzte es.
Das Gesicht des alten Junggesellen trug alle Zeichen der Anteilnahme. Er klopfte dem Kind die aufgedunsenen Bäckchen und nahm das welke, blasse Händchen zwischen seine fleischigen, roten Finger. „Du, du, kß, kß, kß,“ machte er und kitzelte es am Hälschen.
Josefchen verzog das Gesicht und fing an zu weinen; es war kein lautes, kräftiges Schreien, nur ein jämmerliches, dünnes Greinen.