„Ich kann ihr auch nur das beste Zeugnis geben,“ sagte etwas schüchtern der Oberkailer.

„Huh, vor’t Gerich, vor’t Gerich! Ech sein onschullig,“ kreischte Zeih ohne Unterlaß, ihre Zähne schlugen aufeinander, in sinnloser Angst klammerte sie sich an Herrn Schmitz. „Huh, vor’t Gerich, vor’t Gerich!“

Sie zitterte am ganzen Leib. Ihr Beschützer mußte ihr das Josefchen abnehmen, das hätte sie sonst fallen lassen.

Der Obergendarm beruhigte sie: „Es geschieht Euch ja nichts, nur ruhig, Frau! Ihr braucht nur Euer Aussag’ zu machen!“

„Jao, dat will ech, dat will ech aach,“ schrie sie heulend. „Hän haot mech bedrogen, dän Lomp! Bedrogen, Dag on Naacht — fraot noren dat Tina on de annren Fraleider! Ech moßten hongren on derhäm sitzen, on eweil haot hän de Ärwschaft verjuchheht! On wann hän besoff waor, haot hän mech geschlaon. — Kucktelhei!“ Sie riß das Kleid von ihrem weißen Nacken und zeigte Striemen, die darüber hinliefen. „Duh haot hän mech geschlaon, derlätzt met der Haselgert. Ihr könnt et glauwen, dir Hähren, ech kann dat Läwen bal net mieh mantenören — o ech onglöcklich Persohn, ech miserabel Framensch! Wän soll for ons sorgen, wann hän im Bulles[57] sitzt?!“

„Ich!“ sagte der Junggesell, trat heran, das Kind auf dem Arm, und schnäuzte sich krampfhaft.

„O Hähr Schmitz!“ Weinend haschte sie nach seiner Hand, die das rote Taschentuch hielt, und packte sie mit ihren beiden Händen. Immer näher neigte sie sich gegen ihn; sie standen dicht beieinander.

Ein Schrei gellte.

„Maach!“

Schäumend, zitternd vor Wut, stand Pittchen plötzlich vor Schmitz. Wie ein Tiger war er gesprungen; die geballte Faust schlug er dem Alten auf den Kopf, daß dieser betäubt zurücktaumelte. „Ech schlaon Eich dud! Ech raoden Eich, laoßt Eier Fingren vom Zeih! Mein es se. Weg, weg, weg!“ Er schlug wie ein Rasender um sich, vergebens suchten ihn die Gendarmen zu bändigen. „On wann dir mech einsperrt im tiefsten Bulles, Wochen on Monat on Jaohr — on wann dir mech köppt — on wann dir mech ufhänkt — ech kommen widder!“