Aber keine Sense blitzte und legte in langen Schwaden das Korn nieder; die Weiber rutschten auf den Knieen und schnitten den Roggen mit der Sichel, wie man Gras schneidet. Sie arbeiteten hart, der Schweiß rann in Strömen; das Hemd klebte, naß zum Auswinden, am Leib, die braunen Beine, von den Stoppeln zerkratzt und zerstochen, steckten nackt unter’m kurzen Rock.
Kein Mann zwischen den Arbeitenden; nur hier und da saß so ein Alter am Grasrain, als Aufseher, und stopfte sich die Pfeife, oder ein paar halbwüchsige Jungen hetzten mit ‚Hot und Hahrüh‘ eine magere Kuh, die mühsam den Pflug durch die Stoppel schleifte.
Glühend heiß der Sonnenprall an die steilen Wände; mager, mager die Erdkrume, darunter harter Fels. Erbärmlich das Getreide; in winzigen Mandeln stand es da, dünn im Stroh, gering in der Ähre.
Auch Bäbbi war bei der Arbeit. „Jesses,“ sagte sie und richtete sich, schwer atmend, aus ihrer gebückten Stellung auf.
Die alte Schneidersch, die hinter der Schwiegertochter das Korn raffte, keifte: „Voran gemaach! Sei net e su faul!“
„Ech kann net mieh!“
„Ech kann net mieh,“ äffte die Alte nach. „Hammer dech dafor in de schiene Stuw einloschiert? Hei gieft net gefaullenzt! Mir haon ke Gäld, om onnötze Mäuler zo fudern!“
Bäbbi verbiß die Thränen; es wollte sich ihr wie ein Schrei aus der Kehle ringen: ‚Wenn das der Lorenz wüßt’!‘
Aber sie schwieg, mit der Schwiegermutter war nicht gut Kirschen essen. Neulich, als der Lorenz Geld geschickt, hatte die es wie selbstverständlich an sich genommen; der jungen Frau, die schüchtern ihr Teil verlangte, wurde grob über den Mund gefahren.
Lenzen Bäbb hatte keinen Anhang, ihre Eltern waren tot. Der alte schwachköpfige Lenzen-Ohm, bei dem sie halb als Tochter, halb als Magd gewohnt, hatte ihr das, was er ihr vermacht hätte, zur Hochzeit ausgezahlt; nun war das verjubiliert, kaum für die notwendigsten Anschaffungen war etwas geblieben.