Sie kehrte sich gegen die Alte, raffte die Sichel auf; ihr Gesicht glühte, ihr Auge glitzerte unheimlich, ein irres wildes Lachen rang sich aus ihrer gequälten Brust. Sie hob drohend die Sichel — aber, da, sie ließ sie wieder fallen. Statt dessen schwang sie die Faust und schmetterte sie nieder auf den Rücken der Schwiegermutter, daß der Hören und Sehen verging.
Die Alte knickte in die Kniee, schützte den Kopf mit beiden Armen und schrie laut.
Hageldichte Schläge. Die Alte duckte sich und wand sich wie ein Wurm, Bäbbi stand über ihr gleich einer Rächerin, totenbleich, die Lippen fest aufeinander gepreßt. Sie schlug darauf los mit einer Art von Befreiung, von Erlösung.
„Hör uf,“ kreischte die Alte, „ech zeigen dech an! Ech fluchen der!“
Ununterbrochen fielen die Schläge.
„Hör uf, ech saon et dem Lorenz! —“
„Lorenz —!“
Jammernd, beschwörend, bittend zugleich schrie Bäbbi den Namen nach; der erhobne Arm fiel ihr zur Seite, sie starrte verwirrt drein, als erwache sie aus einem Traum. Ein Zittern, ein Rütteln ging durch ihren ganzen Körper; sie schwankte, die Füße schienen sie nicht länger zu tragen. Mit einem dumpfen Laut schlug sie die Hände vor’s Gesicht.
[V.]
„Bimmel, bimmel, bimmel“ tönt das Glöckchen der Kirche. Sein dünner heller Klang fliegt durch’s Dorf und steigt an den Thalwänden in die Höhe; oben von Schwarzenborn antwortet ein anderes Glöckchen. „Bimmel, bimmel, bimmel“ — Vesper.