„Vrun, Vrun,“ rief Leis die Freundin zu Hilfe. „Komm ehs här! Gief dem dao eins hinnen druf, ech halen derweil der verliewten Katz de Poten.“
„Hal dau dein Schnöß! Vrun, komm bei mech,“ schrie Tina. „Ech saon der, dat Leis — Vrun, Vrun! — et es heit beim Pittchen gewest, et haot zom Pittchen gesaot: et hält dech für en Naor! Vrun, Vrun!“
„Wat?!“ In einem Augenblick hatte sich das Blättchen gewendet, die Schwarze kehrte sich gegen die Blonde. „Beim Pittchen gewest? Mech für en Naor halen? — O dau falsch Dingen!“
Mit triumphierenden Augen sah Tina zu, wie die beiden Freundinnen auf einander losfuhren.
Das war ein Spektakel! Ein Lärmen, ein Schimpfen, ein Schreien. Vom Berghang tönte es nieder zum Thal, an Pittchens Hütte vorbei — der schlief ruhig weiter — und und brach sich schallend an der jenseitigen Höhenwand.
Sie hörten alle nicht das Mittagsglöcklein; nur Bäbbi. Die stand abseits und starrte mit großen traumverlornen Augen in’s Gewühl. Früher hätte sie auch frischweg am Kampf teilgenommen, — aber jetzt?! Es war alles untergegangen in der großen Sehnsucht.
Als das Glöcklein läutete, bekreuzte sie sich; die Sichel entfiel ihr, langsam sank sie auf die Kniee und faltete die Hände. Was that der Lorenz wohl jetzt? Dachte er jetzt auch an sie? — — Wär’ er doch erst wieder hier — ach! — — — — — —
„Steh uf,“ schrie die alte Schneidersch sie an. „Schläfste?“ Die Alte hatte sich auch am Zank beteiligt, besonders mit dem Mundwerk; sie hatte aber auch bald darin ihren Meister gefunden, nun ergoß sich die ganze aufgestaute Flut von Scheltworten über die Schwiegertochter, diesen Dorn in ihrem Auge.
Mit einem wilden Ingrimm fuhr die Alte auf sie los. Es wurde Bäbbi nichts erspart; laut und gellend, vor aller Welt, wurde ihr ihr Fehltritt vorgeworfen. Kein Mädchen war je so schlecht gewesen, so lumpig, so armselig und so berechnend dazu. Was hätte der Lorenz für Partien machen können, aber sie hing ihm ja wie ein Klotz am Bein, merkte es gar nicht, daß er sie gern los geworden wäre — ja, er hatte sie satt, der Mutter hatte er’s vertraut!
Schwerfällig richtete sich Bäbbi auf, stumm, mit düstren Augen hatte sie auf den Kampf der Weiber gestarrt — Heulen, Schreien, geschwungene Fäuste, verzerrte Gesichter, ein wildes Durcheinander erregter Gestalten — jetzt schien sich auch ihr Blick langsam daran zu entzünden. Als die Schwiegermutter schloß: „Hän haot dech saat, saat bis zom Ekel, hän wünscht dech, wuh dän Peffer wächst,“ flammte er auf.