Der Kampf wurde ernsthaft. Die große Gegnerin schüttelte die kleine wie ein Bündel Kleider; diese schlug mit Händen und Füßen aus. Ließen sie sich einen Augenblick los, um Atem zu schöpfen, gleich stürzten sie wieder aufeinander.
Schreie, Schimpfworte, Kreischen, Lachen, ohrenbetäubendes Geschnatter.
Zwei Parteien hatten sich gebildet, Frau stand gegen Frau; so manche hatten heimlichen Groll auszufechten, es waren nicht mehr die Densborn und die Steffes allein, die aufeinander losgingen.
Die Geschwister Pötsch waren vergessen. Karl, die Hände in den Taschen seiner zerlumpten Hose, sah grinsend dem Tumult zu; Billa lag heulend am Boden. Tina wischte mit dem Handrücken das Blut von der Nase, dann schlich sie mit funkelnden Augen dem Weiberknäuel näher. Sie hatte auch ihre Feindinnen darunter — rasch der Steffes ein Bein gestellt! Warum hatte ihr die vorhin nicht beigestanden?!
Nun steckte sie mitten drin im Kampf; die blonde Leis, das Bäschen von der Steffes, und, mit ihren goldnen Zöpfen, Tinas gefährlichste Nebenbuhlerin — war sie nicht erst vorhin aus Pittchens Thür geschlichen? — versetzte ihr eins.
„Hol dech in Aacht, dau Schleckermaul,“ zischelte Tina hinter zusammengebißnen Zähnen.
„Dau Rotznaos,“ schrie die Blonde verächtlich; sie war um ein oder zwei Jahr älter.
„Dau öwerstännige Kwetsch!“[26]
„Dau unreifen Appel!“
„Ech roppen der dein rot Börschten[27] aus!“ Tina griff kräftig in die goldnen Zöpfe.