Immer lauter wurde der Gesang, er schwoll an und wuchs und drängte:
„Will das Mädchen sich net tummeln,
Wollen wir die Thür auftrummeln“ — — —
Horch! Ein heller Schrei: „Jesses, die Mannsleit!“
Die Thür des ersten Hauses war aufgeflogen, ein Weib in Unterrock und halb geöffneter Taille stürzte heraus, mit einem Satz stand sie mitten unter den Männern, wild sah sie sich um — wieder ein Aufkreischen — da, sie stürzte dem einen an den Hals.
„Jesses, Hubert, lao biste! Komm erein, Mahn, komm erein. Ech haon uf dech gelauert! Dag on Naacht, onsen Hährgott waaß et. Gelowt sei de Jongfra Maria!“ Sie bekreuzte sich und ihn. „Könner, Könner“ — schon sprang sie wieder zur Thür — „Könner, dän Vadder es elao!“ Sie zog ihren Mann hinter sich drein, kaum daß sie ihm Zeit ließ, den Kameraden zuzunicken; sie hielt ihn so fest am Ärmel, als fürchte sie, ihn gleich wieder zu verlieren. Die Frau mit dem schon faltigen Gesicht, mit dem schlaffen Busen und den Zahnlücken, zeigte die Glut einer Zwanzigjährigen.
„Se sein hei, se sein hei!“ Nur dieser eine Ruf, und alle Häuser waren plötzlich belebt, alle Fenster hell, alle Thüren geöffnet. Kinder, in Hemden und barfüßig, wie sie aus dem Bett gesprungen, standen auf der Schwelle; Frauen und Mädchen eilten auf die Gasse. Der weiche Sommernachtwind spielte mit ihrem halbgelösten Haar und den hastig übergeworfenen Kleidern. Laternen tauchten auf vor den Ställen, in den Höfen, im Wirtshaus wurden alle Lampen angezündet; Peter Krumscheid stieg eilig in den Keller und stach ein Faß an. Die Straße wimmelte von Menschen, wie mit Zauberschlag waren sie alle erschienen, alle umringten die Ankömmlinge. Das war ein Gesumm, ein Lachen, ein Geschrei. „Se sein hei, se sein hei!“
Lorenz Schneider stand an der Ecke am Prellstein. Hier ging’s hinein in ein dunkles Gäßchen, erst zwischen Stallwänden, dann zwischen Hecken — nichts rührte sich darin, — und da war die Straße, hell vom Lichtschein, der aus den geöffneten Fenstern und Thüren fiel. Alle, die er kannte, standen da umher, aufgeregt, lachend und schwatzend; die Weiber hatten die Männer untergefaßt, die Mädchen begrüßten ihre Schätze.
Immer wieder suchten seine Blicke; enttäuscht fing er leise an zu fluchen: Dunnerkiel, wo war das Bäbb? Schlief sie schon so fest, daß sie den Lärm nicht hörte? War sie ihm untreu geworden? Da mußte er doch lachen, war denn hier wohl ein Mannsbild gewesen, um das sich’s verlohnte, ihn zu vergessen?! Er ärgerte sich; warum kam sie nicht? Ob er nach ihr fragte?
Vor dem Wirtshaus hatten sich die ganz jungen Mädchen, die heurigen Hasen, in einer Reihe aufgepflanzt; neugierig und ein wenig neidisch guckten sie zu, wie die älteren Schwestern und Bekanntinnen mit ihren Burschen abzogen. Die Augen funkelten ihnen im Kopf, sie brachten die Mäuler nicht zusammen. Sie stießen sich mit den Ellenbogen an und kicherten, als Lorenz nach ihnen hinsah.
Den Schnurrbart aufdrehend, trat er zu ihnen. Das Gekicher wurde stärker. — „’n Aowend, dir Mädercher!“