„Boschur, Lorenz,“ sagte keck die erste.
„Tina?“ fragte er erstaunt. Zu Weihnachten war sie noch halbwüchsig gewesen, und jetzt trug sie einen langen Rock und sah ihn an mit dreisten, unbewußt begehrlichen Augen. „Es dat Bäbbche net mieh hei, Tina?“ fragte er hastig. „Lenzen Bäbb?“
Tina zeigte lachend ihre weißen Zähne. „Ech waaß net!“ Mutwillig blinzelte sie den Gefährtinnen zu, er fühlte seine Hand ergriffen, kräftig geschüttelt und dann festgehalten. In einem Augenblick hatten ihn die Mädchen umringt; er stand mit Tina in der Mitte, die anderen hopsten im Kreis, ausgelassen wie junge Böcklein, um ihn und die Dirne herum.
„Dommhaaten! Laoß los!“ Unwirsch suchte er sich frei zu machen.
„Autsch, autsch!“ Tina schlenkerte ihre Finger, gleich darauf packte sie ihn auf’s neue; wie ein Wall stemmten sich die Mädchenleiber ihm entgegen.
„Schneidersch Lorenz, kucktelhei, Schneidersch Lorenz! Haha, hahahaha!“ Sie lachten wie die Tollen; dem Burschen schwirbelte es vor Augen und Ohren, er wurde hin- und hergerissen, von einer gegen die andere gepufft, Tina hing sich an ihn, er wurde sie nicht los, nirgendwo konnte er den Kreis durchbrechen.
„Dunnerknippchen, noachehs, wuh es dat Bäbb?“ stieß er mit einer letzten Anstrengung heraus.
„Bäbb hin, Bäbb här,
Bäbb, dat es en Zoddelbär — hahaha —!“
Immer dichter umdrängten sie ihn, immer schallender wurde das Lachen, immer wilder das Drehen; er fühlte Tinas Hände an seinem Rock, sie preßte ihm seine beiden Arme fest an den Leib. Jedesmal, wenn sie aufhüpfte, kitzelten ihn ihre krausen Haare unter der Nase, ihr Gesicht kam dem seinen ganz nah. Da, ehe sie sich’s versah, hatte er die Arme frei; er schlug sie ihr um die Taille, ein derber Schmatz brannte ihr auf dem Mund.
Sie schrie hell auf und wandte sich zur Flucht; mit lautem Gekreisch stoben sämtliche Mädchen davon, er hinterdrein. Hier suchte er noch eine zu fassen und da eine — die Röcke flatterten — jetzt waren sie, um das Wirtshaus herum, im Dunkel verschwunden.