„Verflixte Rotznaosen,“ schimpfte der Bursche, und doch schmunzelte er dabei. Die Tina war gar nicht garstig, noch schmeckte er ihre frischen Lippen. Er schnalzte mit der Zunge, sein Durst war erwacht — wo blieb die Bäbbi?
Langsam kehrte er zu seinem Prellstein zurück, in verdrossenen Gedanken blieb er dort stehen. Da — er schreckte auf, jemand zupfte ihn von hinten am Ärmel. Am Eingang des Heckengangs stand eine weibliche Gestalt.
„Bäbbchen?“ fragte er zweifelnd. Sie kam ihm so wenig schlank vor, Lenzen Bäbb war lang nicht so völlig gewesen. „Bäbbi?“
„Heihin!“ Schon zerrte sie ihn hinein in das dunkle Gäßchen; es schien ihr noch nicht dunkel genug, sie schob ihn hinter die Regentonne an der einen Stallwand. Jetzt schlang sie die Arme um ihn und küßte ihn, daß ihm der Atem verging. Sie gebärdete sich wie närrisch, lachte und schluchzte und drückte ihn, ohne ein Wort zu reden; ihre warme Brust bebte an der seinen, schwer hing sie ihm am Halse. Immer wieder preßten sich ihre Lippen auf seinen Mund, sie saugten sich förmlich daran fest.
Ein lange nicht gekanntes Wohlgefühl durchrieselte den Burschen — so küßt doch nur der Schatz in der Heimat! Sein Blut, durch das eilige Wandern und hastigen Trunk ohnehin erhitzt, schäumte über; nun war er es, der sie immer mehr hinein in’s Dunkel drängte und gegen die Stallwand preßte. Er erstickte sie fast.
„Lorenz,“ ächzte sie endlich, „laoß!“ Ein schmerzlich zitternder Seufzer folgte.
„Bäbb,“ flüsterte er zärtlich, „mei Mädche! Eweil sein ech widder hei, eweil wolle mer ons verlustieren. Dat gitt en Pläsier! Komm!“ Er zog sie kosend dem Ausgang des Gäßchens zu. „Komm ehs zom Krumscheid, ech traktieren dech!“
„Jao, jao.“ Sie schmiegte sich fester an ihn und drängte ihn doch immer wieder tiefer hinein in’s Dunkel.
„Nä, nä,“ flüsterte sie dann hastig und verlegen, „eech kann net ehnder met der giehn, ech moß der erscht ebbes saon.“
„Wat dann? Waorom kannste net met mer giehn?“ Er hielt sie von sich ab, etwas erstaunt; nun fiel ihm auch sein Verdruß von vorhin ein. „Waorom haste mech e su lang lauern laossen, dau sakramentsch Dingen? Wollste mech for en Naor halen? Eweil es et schuns e su spät, ech han Honger on Dorscht!“ Von einem plötzlichen Ärger erfaßt, rüttelte er sie. „Haste geschlaof?“