„Nä, nä!“ Sie drängte sich wieder ganz dicht an ihn. „Ech wollten der nor vorerscht ebbes saon. Saog“ — wie von einer dringenden Notwendigkeit getrieben, faßte sie seine Hand — „wanneh wolle mir onsen Hillig[4] haalen?“

„Waorom?“ fragte er verwundert und beunruhigt zugleich. Und dann nach einer Pause des Bedenken:

„Zo Christdag; wat fraogste? Wann ech Vormann gänn!“

„Nä, ehnder,“ sagte sie rasch und küßte ihn heftig. „E su bal als miëlich[5]! Ech moß der ebbes saon.“ Jetzt flüsterte sie, aber ihr Flüstern war eindringlich, jedes Wort hob sich deutlich heraus. „Ech sein im sechsten Monat!“

„Kreizdonnerparaplüi!“ Es entfuhr ihm so wider Willen — das kam zu plötzlich! Er stieß sie zurück und erhob die Hand wie zum Schlag. „Maach! Gott verzeih mer de Sünd — dau Onglöcksmensch!“

Sie fing an zu weinen.

Stumm stand er neben ihr und schob den Hut von einem Ohr auf das andere.

Auf der Straße war der Lärm verstummt, auch die Helle war weg, die Thüren hatten sich hinter den Glücklichen geschlossen. Kein Mensch mehr draußen, die meisten saßen im Wirtshaus. Jetzt tönte da der Jubel; bis in den dunklen Winkel hinter der Regentonne verirrte sich das Gläserklingen und Juchzen.

Die Sterne waren aufgezogen, immer mehr entfalteten sie ihren Glanz. Nachttau fiel, man hörte ihn in den Hecken tropfen; dazwischen klang leises Schluchzen. In dem verschleierten, bleichen und doch durchdringenden Licht, das vom Himmel niederzitterte, sah Lorenz zum erstenmal deutlich die entstellte Gestalt seines Mädchens.

Mit einem: „Dunnerkiel!“ fuhr er zurück, aber gleich darauf streichelte er die Weinende.