„Maant Ihr? Maant Ihr werklich?“ Sie preßte seine Hand. O wie gut that ihr seine Zuversicht! Schluchzend hielt sie ihn am Ärmel fest und lehnte die Stirn gegen seinen Rock.

„Äwer, Bäbb, seid doch net gäckig!“ Ob schön oder häßlich, er konnte kein Frauenzimmer weinen sehen; er war ganz gerührt von ihren Thränen, er quetschte sich neben sie auf den Stein und streichelte ihre Hand. „Bäbb, Bäbbchen, kreisch doch net e su!“

„Wann hän mech net mieh liew haot, duhn ech mer en Leid an,“ murmelte sie mit finsterer Entschlossenheit.

Das traf Pittchen wie ein Schlag. Wenn ihn die Zeih nicht mehr lieb hätte, was würde er dann thun — — —?!

Er sprang so hastig auf, daß Bäbbi ihn erschrocken ansah.

„Eweil giehn ech. Adjes!“

Das war nicht sein gewöhnlicher fauler Schlendergang, bei dem er die Füße kaum hob und nur langsam weiter schlorrte; er rannte.

Tannen rechts, Tannen links. Schwarze Riesenwände, die einen schmalen Streifen Himmel einrahmen. Keine Hütte, kein Stückchen bebautes Land mehr. Kein Mensch; keine grasende Kuh, keine meckernde Ziege, auch kein Wild, kein Vogel.

Ohne eine Nadel zu regen, in majestätischer Größe stehen die Tannen, wie aus der Urwelt stammend, mit ihren Riesenbärten von abgestorbenem, grauem Moos, ihren überhandlangen, braunen, schuppigen Zapfen, ihrem dunkelflüssigen Harz, das in zähem Rinnsal aus der zerklüfteten Borke sickert.

Tiefstes Schweigen. Ein Schweigen, in dem auch der leichtherzige Wanderer stumm wird; eine gebieterische Hand streckt sich aus dem Dunkel der Äste und legt sich auf seinen Mund: „Still!“