Lächelnd fuhr er in die abgegriffene Tasche der Soutane und brachte ein Bildchen heraus, ein weißes Cartonkärtchen mit Spitzenpapierrand; ein rotes, flammendes Herz war darauf gemalt, von einem Pfeil durchbohrt — ‚das süße Herz Jesu‘.

„Hier, meine Tochter!“ Er machte das Zeichen des Kreuzes über sie.

Sie küßte das Bildchen, sie küßte seine Hand; und dann war sie wieder allein. Der Herr Pastor ging, um sein Brevier zu beten; das that er, wie täglich, auf seinem Spaziergang gen Himmerod zu, da führte der Weg lieblich im Bergschatten und wanderte sich sacht und eben.

Lange noch lag Bäbbi vor dem Altar; süßlächelnd blickte das Marienbild nieder, kein Zug in dem Wachsgesicht veränderte sich. Ein grenzenloses Gefühl der Verlassenheit überkam die Einsame; da war niemand, der ihr helfen konnte! Zerschlagen an allen Gliedern schlich sie sich endlich fort.

Als sie bald darauf, die Hotte auf dem Rücken, den andren Weibern nach, zum Kunowald hinaufwanderte, schloß sich ihr Peter Miffert an. Er wollte der Zeih entgegengehen. Seinen zerlumpten Werktagsanzug hatte er mit dem Sonntagsstaat vertauscht; viel war an dem auch nicht dran, aber die Hosen, die ihm sonst schlotterten, hatte er stramm heraufgezogen, die Mütze mit dem blanken Wachstuchschild saß ihm verwegen auf den dunklen Ringelhaaren.

Er pfiff und sang, aber sein Singen war mißtönend wie das Gekrächz des Hähers, der, aufgeschreckt, in den Baumwipfeln flatterte und argwöhnisch von dort niederäugte. Die Zeih mochte sich heut schön ‚veramesiert‘ haben! Pittchen hatte sich eine Haselgerte abgeschnitten, mit der hieb er rechts und links, daß die Blätter der Büsche flogen.

„Duht dat net!“ Bäbbi sah ihn aus ihren traurigen Augen beweglich an. „De arm Dinger! Am Busch sein se e su lostig grün, Ihr haut se ahf, duh liejen se kapot uf der Straß on gänn zertret!“

„Waorom net gaor,“ sagte er leichthin; aber er hieb doch nicht mehr.

Schweigend gingen sie beide weiter, jeder in seine Gedanken versunken. Plötzlich schluchzte Bäbbi auf, schwer ließ sie sich auf einen Stein am Weg fallen. „Glauwt Ihr, dat dän Lorenz widder kömmt?“ stieß sie hervor; ihr Blick bohrte sich mit angstvoller Frage in Pittchens Gesicht.

Er fühlte ihre Angst heraus und lachte gutmütig: „No, waorom dann net?! Waor soll hän dann annerschter giehn?!“