„Maria, Moddergotts, verzeih mer! Lorenz, komm widder! Lorenz! Ech will dein Modder uf Händen dragen, se soll mech schlaon, half dud schlaon, ech mucksen net! Komm widder, komm widder!“

Es raschelte in den Papierrosen um’s Marienbild, ein Zugwind hatte sie gestreift; oben am Orgelchor klappte ein Fenster — die Sakristeithür hatte sich geöffnet.

Bäbbi hörte nicht, inbrünstig flehte sie.

Der geistliche Herr war eingetreten, sein gutes bäuerliches Gesicht glänzte rot und zufrieden. In der Sakristei hatte es nicht eingeregnet, im Pfarrgarten war auch nicht eine von den kostbaren Speckbirnen abgeschlagen! Gelobt sei der heilige Servatius, der Schutzpatron von Eifelschmitt!

„Ei, Lenzen Bäbb,“ sagte er freundlich und tupfte die Zusammengekauerte auf die Schulter. „Was machst du hier?“

Sie hob den Kopf und sah ihn verstört an. „Hähr Pastor — Hähr!“ Sie stotterte, verlangend glitt ihr Blick hinüber zum Beichtstuhl an der jenseitigen Wand, in dem das grüne, verschleiernde Gardinchen so hoffnungsvoll schimmerte. „O Hähr Pastor“ — sie stieß es heraus mit einer Art Gier — „wann ech eweil zor Beicht giehn dörft!“ Ihre Hände haschten nach dem Zipfel seines speckig glänzenden, langen Rockes; sie drückte die Lippen darauf. „Hähr Pastor, zor Beicht!“

„Jetzt nicht, meine Tochter,“ sagte er etwas verwundert, „nächsten Freitag! Du weißt doch, nach der Messe morgens, und nachmittags von fünf bis sieben. Heut ist Montag. Warst du denn gestern nicht im Hochamt? Es ist doch abgekündigt worden. Nächsten Freitag“ — er betonte nachdrücklich jedes Wort — „von fünf bis sieben ist Beichte. Behalte, nächsten Freitag!“

„Oh,“ wimmerte sie, „Hähr Pastor!“

„Also am Freitag, meine Tochter!“ Er hob mit einer segnenden Bewegung die Hand zum Abschiedsgruß.

Sie sah ihn an, wie ein verhungerndes Tier.